Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

Gewalt - Sehen - Helfen

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Das Programm Gewalt-Sehen-Helfen

Immer wieder ziehen Gewalttaten im öffentlichen Raum die Aufmerksamkeit weiter Teile der Gesellschaft auf sich und bieten Anlass für mediale Berichterstattung sowie öffentliche Diskussion. In diesem Zusammenhang ist es wichtig und beruhigend festzustellen, dass eine breite Mehrheit schockiert und mit Ablehnung auf derartige Ereignisse reagiert.

Gerade Gewaltdelikte im öffentlichen Raum erzeugen eine starke Unsicherheit und schüren bei vielen Menschen die Angst, selbst Opfer zu werden. Dies kann so weit gehen, dass Menschen den Glauben daran verlieren, sich in „ihrer Stadt“/„ihrem Umfeld“ nicht mehr sicher bewegen zu können. Gerade bei älteren Menschen ist nicht selten der völlige Rückzug aus dem öffentlichen Leben die Konsequenz. Opfer erleben häufig, dass Zeugen einer Gewalttat nicht halfen, obwohl sie dies hätten tun können und aus Opferperspektive auch hätten tun müssen. Damit werden sie nicht selten ein zweites Mal zum Opfer, weil das Vertrauen in eine funktionierende Gemeinschaft und ihre Mitmenschen nachhaltig erschüttert wird.

Aber warum helfen Menschen nicht? Worin liegen die Gründe? Wie kann man Ihnen begegnen?

Ein wesentlicher Grund dafür, dass potenzielle Helfer die Hilfeleistung unterlassen, sind Zweifel an der eigenen „Helferkompetenz“, die zu der Angst führen, der Situation nicht gewachsen zu sein und darauf zu hoffen, ein anderer Zeuge werde Hilfe leisten. Hier zeigt sich also in vielen Fällen, dass sich neben dem Opfer auch der potenzielle Helfer ohnmächtig einer Situation ausgesetzt fühlt, die nicht beherrschbar scheint.

Hier setzt das Programm Gewalt – Sehen – Helfen an. Kernbotschaft ist, dass jeder Hilfe leisten kann, ohne sich dabei in Gefahr bringen zu müssen.

Gewalt – Sehen – Helfen will Menschen dafür sensibilisieren, gewaltgeneigte Situationen frühzeitig zu erkennen und ihnen konkrete Tipps bzw. Informationen zu richtigem Helferverhalten geben. Dabei zeigt die Kampagne Gewalt – Sehen – Helfen auf, dass jeder, unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Hilfe leisten kann.

Auf diese Weise möchte Gewalt – Sehen – Helfen zur Entwicklung einer „Kultur des Hinsehens und Helfens“ beitragen und Menschen gewinnen, Teil dieser Kultur zu werden, damit wir als Gesellschaft dem entstehenden Gefühl der Unsicherheit in „unseren Städten“ entgegenwirken können. Das „Netzwerk gegen Gewalt“ als ressortübergreifende Initiative der Hessischen Landesregierung setzt sich seit 2002 in vielen Bereichen dafür ein, dass diese Vision von mehr Sicherheit und mehr Zivilcourage in Hessen Realität werden kann.

Die Kampagne

Ziele und Inhalt der Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“

Die Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ geht von der Grundannahme aus, dass Menschen - auch in gewaltträchtigen und potentiell für sie gefährlichen - Situationen helfen wollen und helfen können. „Gewalt-Sehen-Helfen“ verfolgt einen konsequent gewaltfreien, deeskalierenden und opferzentrierten Ansatz. „Gewalt-Sehen.-Helfen“ fördert die Helferkompetenz und stellt ein Stück Lebenskompetenz für den Alltag dar.

In den Schulungen werden mit Bürgerinnen und Bürgern Handlungsmöglichkeiten geübt, mit denen sie - immer unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Fähigkeiten und an die konkrete Situation angepasst - Hilfe leisten können, ohne sich selbst zu gefährden. Die Teilnehmer setzen sich in den Trainings damit auseinander:

  • was sie selbst unter Gewalt verstehen
  • wie sie ihre Gemeinwesen wahrnehmen
  • warum sich Menschen generell damit schwer tun, anderen zu helfen
  • was sie tun können, um nicht selbst Opfer von Gewalt zu werden
  • wie sie anderen helfen können, ohne sich selbst zu gefährden

In Rollenspielen wird das Entstehen von Konfliktsituationen ebenso anschaulich geübt, wie die bewährten Methoden, sich selbst und andere aus gewalthaltigen Situationen zu „retten“.

„Gewalt-Sehen-Helfen“ nutzt das Wissen und Fähigkeiten (die Expertise) der Bürgerinnen und Bürger, d.h. im Rahmen des Programms werden individuelle Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.

Die kostenfreien Informationsveranstaltungen, Seminare und Schulungen werden vor Ort, d.h. in der eigenen Stadt oder im eigenen Landkreis, von Trainerinnen und Trainer durchgeführt, die im Regelfall auch aus der gleichen Stadt oder dem gleichen Landkreis kommen. Diese Trainerinnen und Trainer werden von den Kommunen selbst ausgewählt und in einer landeseinheitlichen dreitägigen Ausbildung auf ihren Einsatz vorbereitet. Zusätzliche Qualifizierungsangebote in den folgenden Jahren professionalisieren den Einsatz immer stärker.

Grenzen der Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“

„Gewalt-Sehen-Helfen“ ersetzt nicht die gefahrenabwehrende oder strafverfolgende Arbeit der Polizei. Durch das rechtzeitige Herbeirufen professioneller Hilfe über den Polizeinotruf 110 oder die Bereitschaft, als Zeuge auszusagen, wird die Tätigkeit der Polizei aber sehr unterstützt.

„Gewalt-Sehen-Helfen“ bezieht sich auf gewaltträchtige Situationen in der Öffentlichkeit. Die hier vermittelten Methoden zur Deeskalation und zur Hilfeleistung funktionieren nicht in Gewaltsituationen innerhalb von Familien, in Schulen oder in anderen engen persönlichen Beziehungen.

„Gewalt-Sehen-Helfen“ ist opferzentriert angelegt, d.h. es geht um die Unterstützung von (potentiellen) Opfern. Für die Arbeit mit „Tätern“ ist „Gewalt-Sehen-Helfen“ ungeeignet.

Die Teilnahme

„Gewalt-Sehen-Helfen“ ist ein kommunales Programm

Die Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ wurde 1997 durch die Stadt Frankfurt am Main entwickelt. Der Frankfurter Präventionsrat ist auch heute noch ein wichtiger Akteur bei der Weiterentwicklung und Verbreitung des Programms und unterstützt neu hinzugekommene Kampagneorte mit seiner langjährigen Erfahrung.

Im Jahre 2001 schlossen sich ihr die Stadt Kassel sowie der Main-Taunus-Kreis an.

Die Kampagne „Gewalt-Sehen-Helfen“ ist ein Programm, das von Städten und Landkreisen für die Bürgerinnen und Bürger angeboten wird.

Das Land Hessen hat im Jahre 2005 die Nutzungsrechte an der Kampagne von der Stadt Frankfurt am Main übernommen, um „Gewalt-Sehen-Helfen“ in ganz Hessen weiter zu verbreiten. Noch in 2005 traten die Städte Fulda, Gießen, Hanau, Offenbach am Main, Hofheim und Wiesbaden der „GSH-Familie“ bei. Heute bieten insgesamt 19 hessische Städte und Landkreise das Zivilcourage-Programm ihren Bürgerinnen und Bürgern an und haben eigene Multiplikatoren zur Schulung ihrer Bürgerinnen und Bürger ausgebildet. Den Städten und Landkreisen obliegt auch die Betreuung und Koordinierung der Schulungseinsätze ihrer Multiplikatoren.

Das Hessische Innenministerium unterstützt interessierte Kommunen und die Kampagnenorte intensiv, u.a. durch:

  • die Organisation und Finanzierung der dreitägigen intensiven Ausbildung der von den Kommunen ausgewählten Multiplikatoren in einem Tagungszentrum oder in der Kommune selbst
  • die Organisation und Finanzierung von vertiefenden Fortbildungen für die kommunalen Multiplikatoren
  • die Übereignung eines Startpakets von Materialien zur Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung von weiteren Werbemitteln
  • die Beteiligung des Innenministers oder des Innenstaatssekretärs an einer offiziellen Veranstaltung zur Übertragung der Kampagnerechte sowie auch weiteren öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen

Bewerbungsverfahren/Verleihung der Rechte der Kampagne

Interessierte Städte und Landkreise wenden sich mit einem formlosen Bewerbungsschreiben an das Hessische Ministerium des Innern und für Sport.

Dabei ist unabdingbar, dass die kommunalpolitischen Spitzen die Bewerbung mit tragen und unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass eine Anbindung der Kampagne an einen funktionierenden kommunalen Präventionsrat sehr sinnvoll ist.

Die Übertragung der Nutzungsrechte, einschließlich der Nutzung des Gewalt-Sehen-Helfen-Schriftzuges und des Logos, wird zwischen dem Land Hessen vertraglich geregelt, nachdem eine Beratung auf Fachebene erfolgte.

Kampagnenpartner

Im Folgenden finden Sie die Kampagnenpartner mit Hinweisen zum Vorortangebot: