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Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf

Klöppeln – eine seit 5 Jahrhunderten bekannte, filigrane Handwerkstechnik

Thema: 
Bürger & Staat
14.10.2020Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

Landesbeauftragte besucht BdV-Damen bei 34. Klöppelwoche in der Rhön

Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf bei den Klöppel-Damen in Poppenhausen-Rodholz
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Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf bei den Klöppel-Damen in Poppenhausen-Rodholz
© LBHS

Poppenhausen-Rodholz. Seit Jahrzehnten widmet sich eine hessische Frauengruppe des Bundes der Vertriebenen (BdV) der faszinierenden Handwerkskunst des Klöppelns.

Zum 34. Mal kamen die Damen zum gemeinsamen Handarbeiten in der Rhön zusammen und trafen sich wie in vielen Jahren zuvor in Poppenhausen /Rodholz. Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf besuchte die motivierten, fleißigen Damen, erfuhr viel über die Kulturtechnik des Klöppelns und konnte wahre Spitzenkunstwerke in den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden und Fertigungsstadien bestaunen.

Die alte, seit dem 16. Jahrhundert bekannte, traditionelle Handwerkstechnik des Klöppelns wurde vor allen Dingen in den östlichen Ländern, dem Erzgebirge, dem östlichen Niedersachsen und in Franken gepflegt und von den heimatvertriebenen Frauen in den Westen Deutschlands mitgebracht. Die Kunst des Klöppelns wurde von Generation zu Generation weitergegeben und ist somit als immaterielles Kulturerbe zu verstehen.

Der Ursprung des Klöppelns liegt in dem Bemühen, den Rändern von Stoffen und Kleidungsstücken eine feste und gleichzeitig dekorative Kante zu geben. Aus Variationen des ursprünglichen Flechtens wurden so aus losen Fransen schmückende Ränder an der Kleidung der Reichen, erst Flechtspitzen und später Klöppelspitzen. Die Technik des Klöppelns beruht auf einem systematischen Wechsel von Verdrehen, Verkreuzen und Verknüpfen der Fäden, welche an Holzklöppeln befestigt sind, die bei der Arbeit leise klappern und vermutlich daher zu ihrem Namen gekommen sind. Grundlage jeder Fertigung bildet der „Klöppelbrief“, eine Mustervorlage, deren Wert in der künstlerischen Gestaltung wie auch in der mathematischen und geometrischen Berechnung liegt.  Die Klöppelbriefe stehen im Urheberrecht. Nur wenige Handklöppler/innen sind in der Lage neue Muster zu entwerfen und zu entwickeln.

Bei ihrer Arbeit sitzen die handarbeitenden Frauen an ihren rollenförmigen Klöppelkissen, auf dem die Klöppelarbeit mit Stecknadeln fixiert ist und an denen meist paarweise bis zu mehrere Hundert Klöppel befestigt sind. Durch Kreuzen und Drehen der Klöppel werden die Fäden nach der Mustervorlage des Klöppelbriefes miteinander verschlungen und verflochten. Durch Hinzunahme zusätzlicher Fäden, stetes Wechseln derselben untereinander und Abgrenzen der Formen mittels der eingesteckten Nadeln gelangen die Drehungen und Kreuzungen, Schläge genannt, zur Musterbildung. Die unterschiedlichen Schlagarten, mit denen geklöppelt wird, heißen Flechte, Formenschlag, Leinenschlag, Löcherschlag, Gimpenschlag usw.. Gegenseitige Beratung und Fachsimpelei über die Handarbeitstechnik und Hilfestellung bei der Ausführung sind innerhalb der Frauengruppe selbstverständlich.

Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf dankte insbesondere Landesfrauenreferentin Frau Rosemarie Kretschmer für ihren jahrzehntelangen Einsatz und die Organisation der Klöppelwoche, die die Frauen immer wieder in vertrauter Runde zusammenführe aber auch Neuhinzukommende in die Gemeinschaft einbeziehe. Die Pflege der aufwändigen, zeitintensiven und faszinierenden Handarbeit des Klöppelns sei wertvoll und bewahre diese alte Kulturtechnik vor dem Vergessen-werden. Als Teil der Identität und Kultur der Heimatvertriebenen, gelte es, diese zu erhalten und weiterzugeben. „Ich bewundere ihre Ausdauer, Geschicklichkeit und beachtenswerte Geduld mit der Sie diese Tradition weiterführen. Besonders freue ich mich, dass in diesem Jahr der BdV-Landesverband Hessen die traditionsreiche Klöppelwoche in einem Dokumentarfilm festhält und das einzigartige Textilhandwerk dokumentiert“, äußerte Ziegler-Raschdorf im Rahmen ihres Grußwortes beim gemeinsamen Gespräch am Kaffeetisch.

Neben der Handarbeit pflegten die Damen gemeinsame Erinnerungen und tauschten sich über ihre Lebenswege aus. So sei die jährliche Klöppelwoche seit Jahrzehnten ein überaus positiver, identitätsstiftender und gemeinschaftsfördernder Termin, auf den man sich immer wieder aufs Neue freuen könne.

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