Landesbeauftragte besucht Trutzhain

Vertriebenenort mit besonderer Geschichte

Vertriebenenort mit besonderer Geschichte
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26.06.2019 in Trutzhain-/Schwalmstadt. In einer ehemaligen Lagerbaracke hatten Heimatvertriebenen 1949 eine erste Kirche eingerichtet. Dreimal wurde diese erweitert, ehe 1964 der Grundstein der heutigen Wallfahrtskirche Maria Hilf gelegt wurde.
© LBHS

Trutzhain /Schwalmstadt. Der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Ort Trutzhain zeugt mit seiner besonderen Geschichte von dem Neubeginn der Heimatvertriebenen in Hessen. Hiervon konnte sich die Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaus-siedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, persönlich ein Bild machen.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs war auf dem Gelände der mittelalterlichen Wüstung Trutzhain ein Kriegsgefangenenlager errichtet worden, welches nach Kriegsende durch die Alliierten als Internierungslager und anschließend als Durchgangslager für Displaced Persons genutzt wurde. Ab 1948 wurden in den bestehenden langgestreckten Barracken-Unterkünften dem Landkreis Ziegenhain zugewiesene Heimatvertriebene untergebracht. Bald schon entwickelten die Heimatvertriebenen hier aufgrund der aus der Heimat mitgebrachten Fertigkeiten, ein prosperierendes Gewerbe und die Siedlung blühte auf. 1951 erhielt der vorrangig von Heimatvertriebenen bewohnte Ort den Status einer selbstständigen Gemeinde, die am 31. Dezember 1970 zu einem Stadtteil von Schwalmstadt wurde.

Die einstigen Unterkunftsgebäude wurden unter Denkmalschutz gestellt und sind bis heute in Form sanierter Wohnhäuser erhalten. Die Geschichte des Ortes als Kriegsgefangenenlager wird seit dem Jahr 1983 durch eine Gedenkstätte mit angeschlossenem Museum dokumentiert. Ein besonderes bis heute erhaltenes Erbe aus der alten Heimat ist die „Quinauer Wallfahrt“, welche seit 1949 alljährlich am ersten Julisonntag stattfindet. Heimatvertriebene aus dem im böhmischen Erzgebirge gelegenen Ort Quinau hatten diese Tradition in Trutzhain begründet, in deren Mittelpunkt die inzwischen denkmalgeschützte Wallfahrtskirche Maria Hilf steht, die von den Heimatvertriebenen selbst errichtet wurde. Nach einem ausführlichen Gespräch mit Mitgliedern der Kirchengemeinde, besuchte Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf gemeinsam mit Markus Heidenreich, dem Vorsitzendendes Verwaltungsrats der Kirchengemeinde, Gedenkstätte und Kirche. Anerkennend stellte sie fest: „In Trutzhain kann die Geschichte der Eingliederung der deutschen Heimatvertriebenen eindrucksvoll nachvollzogen werden. Hier ist ebenso zu sehen, welche Schwierigkeiten der Neubeginn seinerzeit mit sich brachte als auch, wie diese gemeistert wurden. An diesem Ort wird die Aufbauleistung der Heimatvertriebenen bis heute deutlich und eindrucksvoll sichtbar und wirkt noch immer unmittelbar nach. Trutzhain ist mit seiner speziellen Vergangenheit als Kriegsgefangenen- und später Flüchtlingslager ein besonderer Ort. So wie aus der Übergangslösung der Unterbringung in einem Kriegsgefangenenlager eine eigenständige Gemeinde und dann ein Stadtteil wurde, haben sich die Heimatvertriebenen schließlich zu einem festen Bestandteil in der Region entwickelt. Trutzhain erzählt somit wie nur wenige andere Orte vom schwierigen, letztlich aber geglückten Ankommen der Heimatvertriebenen.“

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