Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

Sudetendeutsche Landsmannschaft erhält rund 19.500 Euro

Bei der Landesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft - Landesgruppe Hessen in Wiesbaden-Naurod hielt Hessens Innenminister Peter Beuth die Festansprache. Im Namen der Hessischen Landesregierung und der Hessischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, die ebenfalls an der Landesversammlung teilnahm, bedankte er sich für das stetige Engagement zum Erhalt der Erinnerung an das Schicksal der Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland.

Geeintes Europa wichtiger denn je

„Im Zuge der Vertreibungen von rund 15 Millionen Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und den außerdeutschen Siedlungsgebieten, kamen nach dem Zweiten Weltkrieg rund 400.000 Sudetendeutsche nach Hessen. Sie stellten damit die mit Abstand größte Vertriebenengruppe in Hessen. Der Neuanfang hier war nicht einfach für die Heimatvertriebenen, schließlich konnten sie meist nur Gepäck aus der alten Heimat mitnehmen und mussten hier bei null anfangen. Die Eingliederung der Heimatvertriebenen ist letztlich geglückt. Gemeinsam mit den Einheimischen wurden in den Nachkriegsjahren Wirtschaft und Gesellschaft in Hessen neu aufgebaut. Heute sind die Heimatvertriebenen ein selbstverständlicher Teil des Landes. Daran haben auch die Vertriebenenverbände, wie die Sudetendeutsche Landsmannschaft, einen großen Verdienst“, sagte Innenminister Peter Beuth.

Zentrales Thema der Rede des Innenministers war die aktuelle Situation in der Ukraine. Beuth erklärte: „Putin hat den Krieg zurück nach Europa gebracht. Eine lange Friedensperiode ist damit unwiderruflich zu Ende“.  Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine habe aktuell die größte Flüchtlingsbewegung seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. „Der russische Angriffskrieg, aber auch aktuelle nationalistische und populistische Strömungen innerhalb Europas müssen uns besorgt stimmen. Jetzt brauchen wir ein starkes, zusammenstehendes Europa und ein starkes Deutschland in Europa.  Wir sind als größte Volkswirtschaft in Europa diejenigen, die am meisten zu verlieren haben – auch dank Ihrer Aufbauleistung, der Aufbauleistung der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. Nur mit einem geeinten und starken Europa ist sichergestellt, dass wir dauerhaft in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben können“, betonte der Innenminister.

Erinnerung wach und Kultur erhalten

In Bezug auf die Mitglieder der Sudetendeutschen Landsmannschaft erklärte er: „Die jetzigen Ereignisse in der Ukraine erinnern an Ihr eigenes Schicksal und zeigen, wie wichtig es über die Jahre war, immer an Ihr Schicksal zu erinnern. Gerade deshalb ist die Erinnerungsarbeit, welche die Vertriebenenverbände leisten, so wichtig. Denn das Schicksal der Heimatvertriebenen soll nicht in Vergessenheit geraten und die nachfolgenden Generationen müssen diesen Teil unserer deutschen Geschichte kennen.“

Der Landesverband Hessen der Sudetendeutschen Landsmannschaft mit ihrem Landesobmann Markus Harzer leiste viel, um die Erinnerung wach sowie um Kultur und Geschichte der alten Heimat zu erhalten. Dazu gehöre auch ein Zeitzeugenprojekt in Trutzhain, für das Innenminister Peter Beuth während der Landesversammlung der Sudetendeutschen Landsmannschaft einen Förderbescheid über rund 19.500 Euro überreichte.

Förderung für Zeitzeugenprojekt

Innerhalb der Gemarkung der heutigen Gemeinde Trutzhain (Schwalm-Eder-Kreis) entstand während des Zweiten Weltkrieges ein Kriegsgefangenenlager. Nach dem Krieg wurden dann die Heimatvertriebenen in die Lagerbaracken zwangseinquartiert. Erst im April 1951 wurde Trutzhain, als damalig jüngste Gemeinde Hessens, als Siedlung für Heimatvertriebene gegründet.

„Mit dem geförderten Projekt der Zeitzeugenberichte von Heimatvertriebenen in Trutzhain wird sichergestellt, ihr Vertreibungsschicksal zu dokumentieren und dank der Videoaufnahmen auch noch in vielen Jahren nachzuvollziehen. So haben auch jüngere Generationen, die nicht mehr die Gelegenheit haben mit Zeitzeugen zu sprechen, die Möglichkeit, etwas aus erster Hand über die Geschichte der Vertriebenen zu erfahren“, sagte der Minister.

Peter Beuth hob in seiner Ansprache ebenfalls hervor, dass der hessische Landesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft bereits mehrere Projekte mit Schülern und Schülerinnen der Karl-Rehbein-Schule in Hanau umgesetzt habe und auch für dieses Jahr weitere Projekte geplant sind. „Landesobmann Markus Harzer hat im Rahmen der Unterrichtsprojekte zum Thema „Flucht und Vertreibung“ einen deutsch-tschechischen Schüleraustausch organisiert und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsbegegnung und zur deutsch-tschechischen Beziehung. Die altersgerechte Heranführung der jüngeren Generation an dieses Thema kann ich nur begrüßen. Sie können sicher sein, dass die hessische Landesregierung die Arbeit der Vertriebenenverbände und Landsmannschaften auch zukünftig ideell und materiell unterstützen wird“, so Innenminister Beuth abschließend.