Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

Was wird in einer Notfallstation gemacht?

Die Notfallstation ist eine Einrichtung zur medizinischen Sichtung und Erstversorgung von Personen, die von einem Kraftwerksunfall direkt betroffen sind, d.h. dass sie sich während oder nach Durchzug der radioaktiven Wolke, in dem betroffenen Gebiet aufgehalten haben.

Zu den Aufgaben der Notfallstation zählen:

  • Medizinische Versorgung von Betroffenen,
  • Aufnahme und Betreuung von Personen, die sich nach einer Freisetzung im gefährdeten Gebiet aufgehalten haben,
  • Durchführung der Kontaminationskontrolle,
  • Durchführung der Dekontaminationsmaßnahmen (Waschen, Duschen),
  • Abschätzung der Strahlendosis (Direktstrahlung und Inkorporation),
  • Ärztliche Beurteilung und Betreuung,
  • Weiterleitung behandlungsbedürftiger Personen zur ambulanten oder stationären Betreuung und
  • Aufnahme, Versorgung und Unterbringung von hilfsbedürftigen und mittellosen Personen oder von Betroffenen, die keine Möglichkeit haben, bei Verwandten oder Bekannten aufgenommen zu werden (ggf. Zuweisung von Unterkünften).

Die Notfallstationen richten sich an Personen aus der Bevölkerung und an Einsatzkräfte. Für die Versorgung von Betriebspersonal der Kernkraftwerke haben die Betreiber der Anlagen Vorsorge getroffen.

Hilfsbedürftige, Schwangere, Kinder und ältere Personen sind bevorzugt zu betreuen.
Betreuungsbedürftige Personen sollten in Begleitung von Pflegepersonal / vertrauten Personen durch die NFS begleitet werden.

Die Notfallstationen stellen einen wesentlichen Teil der Katastrophenabwehrplanung, insbesondere auch zur direkten Information der Bevölkerung, dar. Unabhängig von den Maßnahmen in der Notfallstation soll die Bevölkerung insbesondere über die Medien zur Selbsthilfe in die Lage versetzt werden, ggf. sich bei leichter Kontamination zu Hause selbst zu dekontaminieren und ggf. erforderliche Dekontaminationsmaßnahmen an Tieren und Sachgütern (Kleidung, Kraftfahrzeuge) vorzunehmen.

In Anlehnung an die ermittelten Expositionen legen Strahlenschutzärzte die weiteren, aus medizinischer Sicht erforderlichen Maßnahmen fest, die dann ambulant oder im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in allgemeinen Krankenhäusern oder speziellen Kliniken erfolgen.

Die Notfallstation ist grundsätzlich als ein Angebot an die Bevölkerung zu verstehen. Das Aufsuchen dieser Station durch die Bevölkerung erfolgt auf Empfehlung der Katastrophenschutzleitung auf freiwilliger Basis. Nur im Einzelfall, bei extremen Lagen, kann aufgrund einer gesonderten Entscheidung des Leiters des Stabes das Aufsuchen einer Notfallstation für bestimmte Bevölkerungsgruppen (z.B. aus einem betroffenem Gebiet) angeordnet werden. Dies könnte zum Beispiel bei kleinflächigen, aber starken Kontaminationen oder Strahlenexpositionen, die aufgrund besonderer Wetterlagen auftreten können, notwendig werden.

Aber auch bei einer Anordnung "Aufsuchen der Notfallstationen" kommt die Anwendung von Zwangsmitteln nicht in Betracht.