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Wie werden die Maßnahmen festgelegt und welche Kräfte stehen im KatS-Fall zur Verfügung?

Zur Lagebeurteilung nach der Freisetzung radioaktiver Stoffe werden zunächst Messungen nach festgelegten Programmen in der Umgebung des KKW durchgeführt um die tatsächliche radiologische Lage zu ermitteln. Wichtige Betriebsparameter wie Drücke, Temperaturen, Abluft-, Abwassermenge und –aktivität stehen mittels des Kernkraftwerk-Fernüberwachungssystems des Landes Hessen (KFÜ) online zur Verfügung. So können die betroffenen Katastrophenschutzbehörden ständig mit den nötigen Informationen versorgt werden.

Sollte eine radioaktive Freisetzung aus einem verunfallten Kernkraftwerk zu erwarten sein, führen die Fachberater Strahlenschutz des HMUELV Ausbreitungsrechnungen durch. Diese Prognoserechnungen werden mit Hilfe des KFÜ für den Bereich bis 25 km um das KKW Biblis bzw. eines bundesweiten Integrierten Mess- und Informationssystems zur Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt (IMIS) für den Fernbereich bis 80 km um das KKW, unter Berücksichtigung der Prognosefreisetzungsdaten und des Prognosewetters zum Freisetzungszeitpunkt durchgeführt. Vor der Freisetzung werden die ggf. betroffenen Gebiete und erforderliche Maßnahmen, wie beispielsweise „Verbleiben in den Häusern“, „Einnahme von Iod-Tabletten“ und „Evakuieren“ etc. benannt.

Über dieses stationäre Mess-Netz hinaus können Einheiten des Kerntechnischen Hilfsdienstes (dies ist eine Betreiberorganisation zur Bearbeitung nuklearer Lagen nach KKW-Unfällen mit Spezialgerät) angefordert werden. Die Stamm-Mannschaft beträgt ca. 25 Personen; 140 Personen Fremdpersonal sind bei Bedarf hinzuziehbar. Katastrophenschutzeinheiten wie z.B. die 26 GABC- Zügen sowie zusätzlich 6 Strahlenspürtrupp-Fahrzeuge im Umfeld des KKW Biblis können mit entsprechender Schutzausrüstung und geeigneten Messgeräten zu Mess- und Probenahmeaufträgen ausgesandt werden.

Später werden im Rahmen des Strahlenschutzvorsorgegesetzes weitere Maßnahmen ergriffen: so wird z.B. über das IMIS eine flächendeckende Überwachung der Radioaktivität im Weiteren gewährleistet.

In erster Linie kann zur Versorgung der Bevölkerung zurückgegriffen werden auf 52 Betreuungs-, 38 Sanitätszüge des Landes Hessen und 4 Medizinische Task Forces des Bundes, die derzeit ein einem Pilotprojekt erprobt werden. Hierzu kommen noch Brandschutz- und ABC-Einheiten des Landes. Näheres hierzu siehe Katastrophenschutzkonzept des Landes Hessen 2011.

Bei den Kräften des KatS handelt es sich nicht nur um Einheiten aus der direkten Umgebung des Kernkraftwerkes. Grundsätzlich stehen hessenweit rund 23.000 Helferinnen und Helfer des Katastrophenschutzes und 60.000 der Feuerwehr zuzüglich Unterstützungskräfte von Bund (davon alleine über 3.000 Helferinnen und Helfer des THW) und Ländern auf operativer Seite zur Verfügung, um die o.g. Aufgaben zu bewältigen. Diese werden durch mannigfaltige Qualifizierungsmaßnahmen (Übungen, Aus- und Weiterbildungen) auf ihre Aufgaben vorbereitet.

Die hessische Polizei hat Vorbereitungen getroffen, im Falle eines nuklearen Zwischenfalles mehr als 3.000 Einsatzkräfte strukturiert aufzurufen. Die tatsächliche Gesamtzahl der verfügbaren Einsatzkräfte im Fall einer Katastrophe wird voraussichtlich diese vorgeplante Stärke noch übersteigen.