Marktkirche und Landtag in Wiesbaden

Gebietsreform

Lesedauer:1 Minute:

In der Zeit zwischen 1970 und 1977 wurde in Hessen die kommunale Gebietsreform durch­geführt.

Die gebietliche Neuordnung hatte in erster Linie zum Ziel, die Verwaltungskraft der Gemein­den und Kreise zu stärken und ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Vor allem Kleinstge­meinden unter 300 Einwohnern, die keine hauptamtlichen Verwaltungsbeamten hatten, sollten in größere Einheiten eingegliedert werden.

Nach den Vorstellungen des Gesetzgebers sollte sich die Gebietsreform in Phasen allmählich, insbesondere durch freiwillige Entschließungen der Gemeinden, vollziehen. Die Bereitschaft dazu - nicht zuletzt gefördert durch Vergünstigungen im Finanzausgleich - war außerordent­lich hoch. So verringerte sich zunächst die Zahl der Gemeinden von 2.642 in 1969 auf 1.233 in 1971. Hessen war somit das Land mit der höchsten „Freiwilligenrate“.

Dieser Phase folgte die Phase der (zwangsweisen) gesetzlichen Neugliederung auf der Ge­meinde- und Kreisebene (1972 bis 1977).

Übersicht über die vom Hessischen Landtag verabschiedeten Neugliederungsgesetze
 

Neugegliederte Gebietskörperschaft In-Kraft-Treten (Fundstelle) Landtags-Drucksache
Landkreis Bergstraße 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 222) 7/1524
Landkreis Fulda 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 220) 7/1499
Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 217) 7/1369
Hochtaunuskreis 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 227) 7/1671
Landkreis Kassel 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 225) 7/1670
Odenwaldkreis 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 224) 7/1596
Vogelsbergkreis 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 215) 7/1370
Wetteraukreis 1.8.1972 (GVBl. I 1972 S. 230) 7/1788
Schwalm-Eder-Kreis 1.1.1974 (GVBl. I 1973 S. 356) 7/3344
Landkreis Waldeck-Frankenberg 1.1.1974 (GVBl. I 1973 S. 359) 7/3345
Werra-Meißner-Kreis 1.1.1974 (GVBl. I 1973 S. 353) 7/3343
Landkreis Limburg-Weilburg 1.7.1974 (GVBl. I 1974 S. 101) 7/3838
Main-Kinzig-Kreis 1.7.1974 (GVBl. I 1974 S. 149) 7/3837
Landkreis Marburg-Biedenkopf 1.7.1974 (GVBl. I 1974 S. 154) 7/3836

Landkreis Darmstadt-Dieburg,

Stadt Darmstadt

1.1.1977 (GVBl. I 1974 S. 318) 7/5200
Landkreis Groß-Gerau 1.1.1977 (GVBl. I 1974 S. 314) 7/5201
Lahn-Dill-Kreis, Stadt Lahn 1.1.1977 (GVBl. I 1974 S. 237) 7/4685

Main-Taunus-Kreis,

Stadt Wiesbaden

1.1.1977 (GVBl. I 1974 S. 309) 7/5204
Landkreis Offenbach 1.1.1977 (GVBl. I 1974 S. 316) 7/5203
Rheingau-Taunus-Kreis 1.1.1977 (GVBl. I 1974 S. 312) 7/5202

Durch das Gesetz zur Neugliederung des Lahn-Dill-Gebiets und zur Übertragung von weite­ren Aufgaben auf kreisangehörige Gemeinden mit mehr als 50 000 Einwohnern sowie zur Regelung sonstiger Fragen der Verwaltungsreform vom 10. Juli 1979 (GVBl. I S. 179) wurden die Stadt Lahn und der „Großkreis“ Lahn-Dill aufgelöst. Es wurden ein neuer Land­kreis mit dem Namen „Landkreis Gießen“ und ein mit dem bisherigen Kreis gleichnamiger neuer Landkreis „Lahn-Dill-Kreis“ gebildet.

Die kommunale Neugliederung wurde mit diesem letzten Neugliederungsgesetz abge­schlossen. Hessen hatte seitdem 421 kreisangehörige Gemeinden, 21 Landkreise und 5 kreisfreie Städte.

Aktuell gibt es in Hessen auf Grund von zwei freiwilligen Gemeindefusionen insgesamt 422 Städte und Gemeinden.

Schlagworte zum Thema