Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

Das Theater als Spielraum des Lebens

Das Theaterstück „Die Tränen meiner Großmutter“ bewegte die Zuschauerinnen und Zuschauer im Haus der Heimat und wirkte lange nach.

Lesedauer:4 Minuten

Zur Premiere des Stückes der Theater-Autorin sowie BdV-Jugendbeauftragten Katharina Martin-Virolainen sprach Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf ein Grußwort für die Hessische Landesregierung. Gastgeber und Veranstalter dieser Premierenveranstaltung war der Bund der Vertriebenen - Landesverband Hessen. Das Bühnenstück handelt von Heimatverlust, dem Geschehen auf dem grausamen Weg von Flucht, Vertreibung und Zwangsdeportation, von Familienschicksalen. Es handelt von Frauen, Müttern und Großmüttern, die ihre Familien unter schwierigsten Umständen zusammengehalten haben.

„Die eigene Familiengeschichte gehört untrennbar zu einem jeden von uns. Es ist deshalb wichtig, wenn sich junge Menschen mit ihrer eigenen Familiengeschichte und ihren persönlichen Wurzeln beschäftigen“, so Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf in ihrem Grußwort. „Aber nicht nur das! Hier kommt die ganz besondere Art und Weise hinzu, nämlich sich an vergangene Ereignisse zu erinnern, indem diese auf schauspielerisch ungewöhnliche Weise dargestellt werden: Die Akteurinnen versetzen sich in die Rolle ihrer eigenen Großmütter, zeigen deren persönliche Schicksale, die auch ihre eigenen sind.  Auch auf eine solche sehr eindringliche Weise kann Geschichte und Wissen über die eigene Herkunft vermittelt werden und so zur Aufklärung über Flucht und Vertreibung deutscher Heimatvertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg sowie über das schwere Schicksal der Deutschen aus Russland beitragen.“

„Ein Ort der Vergegenwärtigung“

Der Theateraufführung vorausgegangen war eine mehrtägige Projekttagung, bei der sich junge Frauen mit dem Schicksal ihrer Großmütter und (Ur-)Großmütter auseinandergesetzt haben, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer angestammten Heimat jenseits von Oder und Neiße sowie aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa vertrieben oder deportiert wurden. Im Rahmen dieses Workshops konnten die Frauen außerdem an der Entstehung des Theaterstücks aktiv mitwirken, die Erinnerungen an ihre (Ur-)Großmütter in das Stück einflechten und ihre Ideen für die Ausarbeitung und Umsetzung der einzelnen Szenen einbringen. Diese Herangehensweise macht die Einzigartigkeit des Theaterstückes aus.

„Ich bin überzeugt, dass gerade die Bühnendramatik in der Lage ist, durch die künstlerische Darbietung das damalige Geschehen den Zuschauern eindrucksvoll zu vermitteln. Keinesfalls selbstverständlich ist jedoch, dass die Akteurinnen ihre zutiefst persönlichen Erfahrungen und Gedanken mit uns teilen. Das Theater wird somit für uns zu einem Ort der Vergegenwärtigung. Wir vergewissern uns unserer Geschichte und unserer kulturellen Vergangenheit, indem wir uns mit Schicksalsfragen auseinandersetzen, und erfahren dadurch auch etwas über uns selbst. Für diese Offenheit und Authentizität danke ich allen Mitwirkenden daher sehr herzlich“, so die Landesbeauftragte.

Einen besonderen Dank richtete Ziegler-Raschdorf an den Bund der Vertriebenen in Hessen, Kulturbeauftragte Rose-Lore Scholz und Frauenreferentin Gabriela Zessin, insbesondere aber an Theater-Autorin und Workshop-Leiterin Katharina Martin-Virolainen: „man merkt Ihrer Arbeit die Empathie und Begeisterung für das Theaterspielen an. Sie sind bereit, im Theaterspiel Ihr Innerstes nach außen zu kehren und uns daran teilhaben zu lassen. Das ist eine große Gabe und bedeutet immer auch Mut. Dafür herzlichen Dank! Sie alle leisten mit dieser Theateraufführung einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zum Erhalt des kulturellen Erbes. UND: Ich freue mich, dass auch die Hessische Landesregierung ihren Teil dazu beigetragen konnte und das Theaterprojekt finanziell gefördert hat.“

Schlagworte zum Thema