Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

Landesbeauftragte bei Theaterpremiere von „Am Anfang war die Zahl“

Das musikalische Theaterstück „Am Anfang war die Zahl“ konnte in Anwesenheit der Hessischen Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, vor kurzem im Haus der Heimat in Wiesbaden seine Premiere feiern.

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland im Landesverband Hessen e.V. hatte in Kooperation mit dem russlanddeutschen Kinder- und Jugendtheater Eppingen einen Theaterworkshop organisiert, als dessen Ergebnis das Theaterstück „Am Anfang war die Zahl“ uraufgeführt wurde. Das Theaterstück stammt aus der Feder von Katharina Martin-Virolainen, freie Autorin, Kulturschaffende und Leiterin des russlanddeutschen Kinder- und Jugendtheaters. Gemeinsam mit dem Musiker und Liedermacher Oleg von Riesen hat Katharina Martin-Virolainen die künstlerische Leitung des Projekts übernommen und das bewegende Stück mit den Kindern und Jugendlichen eindrucksvoll auf die Bühne gebracht.

Theaterstück beruht auf wahrer Geschichte

Als Grundlage für das Theaterstück diente die wahre Geschichte eines deutschen Ehepaares, das nach bitteren Erfahrungen im stalinistischen Lager und Überleben in der Verbannung hinter dem Ural, ihre Erfüllung in der musikalischen und theaterpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fand und sein Leben der Bewahrung und Weitergabe der deutschen Sprache und des deutschen Liedguts widmete. „Die Bewahrung der deutschen Kultur, das Sprechen der deutschen Sprache, das Singen deutscher Lieder – all dies war in der Sowjetunion lange Zeit verboten und stand unter Strafe. Viele russlanddeutsche Musiker, Künstler und Literaten wurden damals verhaftet und hatten jahrzehntelang keine Möglichkeit, in ihrer Muttersprache tätig zu sein. Daher musste das Festhalten und Bewahren der deutschen Kultur heimlich erfolgen, meist im Familienkreis“, erläuterte die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, die geschichtlichen Hintergründe.

Das Theaterstück trägt den Titel „Am Anfang war die Zahl“ da früher, unter anderem bei den Mennoniten im Schwarzmeergebiet, Lieder und Melodien nicht als Noten, sondern als Ziffern notiert wurden. Solche Musiknotizen wurden in der Sowjetzeit jedoch als Spionage-Verschlüsselungen aufgefasst, beschlagnahmt und vernichtet und brachten die Verfasser in Not. Die Macher des Theaterstücks haben sich zum Ziel gesetzt, Geschichte und Musikgeschichte der Deutschen in der Sowjetunion aufzuarbeiten und aufzuzeigen, wie das Sowjetregime damals versuchte, entgegen der ursprünglichen Zusicherung der eigenen Sprachautonomie, die Deutschen ihrer Sprache zu berauben und sie auch insgesamt kulturell zu entwurzeln. „Im Theaterstück wird deutlich, wie teuer die Menschen damals für ihre Volkszugehörigkeit und ihre Liebe zur deutschen Kultur und Musik bezahlen mussten und wie es den Russlanddeutschen trotz aller Hindernisse gelungen ist, ihre Kultur beizubehalten und sie zu pflegen. Somit kann das Theaterstück einen Beitrag dazu leisten, über die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen aufzuklären. Ich würde es begrüßen, wenn sich mehr Bürgerinnen und Bürger mit diesem Teil der Geschichte beschäftigen würden, denn die Geschichte der Russlanddeutschen ist auch ein Teil der gesamtdeutschen Geschichte. Für Russlanddeutsche war und ist das Theater ein Medium der Freiheit. Über das Theater und Theaterspiel konnten und können sie sich ausdrücken und ihre Geschichte bewältigen“, so die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler.