Die Kurstadt engagiert sich seit April 2019 im KOMPASS-Programm für mehr Sicherheit und ein höheres Sicherheitsgefühl und hat in dieser Zeit viele Maßnahmen umgesetzt.
„Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Hessischen Landesregierung. Dabei haben wir nicht nur die messbaren Aspekte wie die Kriminalitätsbekämpfung im Blick, sondern auch das Sicherheitsgefühl. Wir wollen, dass sich alle Hessinnen und Hessen auch vor Ort an ihrem Lebensmittelpunkt sicher fühlen können. Hier bieten wir den Kommunen seit 2017 mit dem bundesweit einzigartigen KOMPASS-Programm Unterstützung an. Auf Grundlage der Sicherheitsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger haben mittlerweile mehr als 150 hessische Kommunen mit Unterstützung der Polizei individuelle Präventionsmaßnahmen erarbeitet, um das Sicherheitsgefühl vor Ort weiter zu stärken. Auch Bad Nauheim hat im Rahmen des KOMPASS-Prozesses seit 2019 gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern passgenaue Präventionsmaßnahmen angestoßen. Das Maßnahmenpaket trägt zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl der Menschen in der Kurstadt bei. Für den Einsatz aller Beteiligten wird Bad Nauheim nunmehr verdient mit dem KOMPASS-Siegel ausgezeichnet. Hierzu gratuliere ich Ihnen sehr herzlich", sagte Innenstaatssekretär Stefan Sauer.
Sicherheitsgefühl und „Angstorte“ im Fokus
Zur Erfassung der Sicherheitsbedarfe in Bad Nauheim wurde eine Bürgerbefragung von der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. Vor Ort haben zwei Sicherheitskonferenzen unter Beteiligung von kommunalen Akteuren, Bürgerinnen und Bürgern sowie der Polizei stattgefunden. Darüber hinaus gab es eine Ortsbegehung. Grundsätzlich fühlen sich die Bad Nauheimer Bürgerinnen und Bürger in ihrer Stadt und den Stadtteilen tagsüber sicher. In den Nachtstunden nimmt das Sicherheitsgefühl hingegen ab. Eine Erkenntnis ist, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bad Nauheimer Bürgerinnern und Bürger und damit auch die Identifikation der sogenannten Angstorte hauptsächlich von dem Auftreten einzelner Gruppen an verschiedenen Orten (Bahnhof, Bahnstraße, Parks) abhängig ist.
Als Probleme in der Wohngegend wurden durch die Befragten in absteigender Häufigkeit unter anderem undiszipliniert fahrende Autofahrer, falsch geparkte Autos, Schmutz und Müll in den Grünanlagen, Ruhestörungen, herumlungernde Jugendliche, schlechte Straßenbeleuchtung und alkoholisierte Personen genannt. Als Orte, an denen sich Menschen weniger sicher fühlen, wurden öffentliche Parkanlagen, inklusive dem Kurpark und dem Goldsteinpark, der Bahnhof, der Marktplatz, die Hauptstraße im Bereich Marktplatz, der Südpark / Parkdeck sowie die Innenstadt identifiziert.
Bereits vor der Teilnahme am KOMPASS-Programm hat Bad Nauheim Präventionsmaßnahmen ergriffen, um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. So gibt es zum Beispiel das mehrfach ausgezeichnetes Präventionsprogramm „KIKS-UP“, das in den Bereichen „Kindertagesstätten“, „Schulen“ sowie „Familien“ zielgruppengenaue Präventionsmaßnahmen anbietet. Die Stadt hat auch ein Jugendhaus und ein Seniorenbüro eingerichtet. Des Weiteren beschäftigt die Stadt einen Sicherheitsdienst, der regelmäßig in Parkanlagen, Parkplätze und anlassbezogen bei Bekanntwerden von Problemen unterwegs ist. Der Freiwilliger Polizeidienst ist seit Frühjahr 2007 ebenfalls mit insgesamt gegenwärtig sieben freiwilligen Polizeihelferinnen und Polizeihelfern für die Sicherheit der Bad Nauheimer unterwegs. Ein Schutzmann vor Ort ist eingesetzt, am Marktplatz ist eine Videoüberwachungsanlage installiert.
Passgenauer Maßnahmenkatalog umgesetzt
Für die festgestellten Sicherheitsbedarfe wurden im Rahmen des KOMPASS-Programms von der Stadt sieben passgenau Maßnahmen umgesetzt. So wurde ein Konzept erstellt, mit dem die Stadt das Sicherheitsgefühl und die Aufenthaltsqualität verbessern möchte. Hierbei wurde im Goldsteinpark ein „Freiraum“ für Jugendliche geschaffen. Dieser wird den Jugendlichen zur Verfügung gestellt und wurde baulich hergerichtet (Aufenthaltsmöglichkeiten, Bühne), damit Jugendliche sich dort entfalten können. Das Ergebnis ist ein besseres Sicherheitsempfinden für alle Bürgerinnen und Bürger zu Abend- und Nachtzeiten in den anderen Parkflächen, da sich dort entsprechend weniger Jugendgruppen aufhalten bzw. auch über die entstandene soziale Kontrolle, durch Bündelung an einem gemeinsamen Freiraum. Um für Jugendliche und junge Erwachsene ein weiteres (sportliches) Beschäftigungsangebot zu schaffen, wurde im Südpark eine Calisthenics-Anlage (Sportinstallation) eingerichtet. Auch die Beleuchtungssituation in den Parkanlagen wurde zur Steigerung des Sicherheitsempfindens verbessert. Hierzu wurden die bei der Ortsbegehung identifizierten „dunklen Ecken“ durch zusätzlich installierte Leuchten beseitigt. Um einen besseren Zufahrtsschutz zu der Anlage zu gewähren, werden aktuell im Goldsteinpark elektrische Poller an den Einfahrten installiert. Die Bürgerinnen und Bürger haben über einen eigenen Mängelmelder der Kommune auch weiterhin die Möglichkeit, wahrgenommene Defizite zu melden.
Am Bahnhof, der als zweithäufigste Örtlichkeiten im Zusammenhang mit einem Unsicherheitsgefühl genannt wurde, soll die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Zuständigkeiten von Einsatzkräften an diesem Ort verbessert werden. Dazu befindet sich die Stadt Bad Nauheim aktuell in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, um eine Sicherheitspartnerschaft zu etablieren.
Zur Verbesserung der Verkehrssituation und Verkehrssicherheit arbeitet die Stadt gegenwärtig an einem groß angelegten Mobilitätskonzept als Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes. Ziel des Konzeptes ist es, u. a. den Verkehr zukunftssicher zu gestalten, eine Gleichberechtigung der Verkehrsarten herzustellen und die Sicherheit im Verkehr zu erhöhen („Vision-Zero“). Von dem gesamtheitlichen Mobilitätskonzept, bei dessen Erstellung die Bürgerinnen und Bürger u. a. über eine Online-Bürgerbefragung eingebunden wurden, sind bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt worden. Hierzu zählen die Verbesserung von Radwegen, die Schaffung von Radabstellanlagen sowie die Schaffung von sicheren Überwegen auf Schulwegen.
Die KOMPASS-Sicherheitsinitiative und das Sicherheitsportal Hessen
Mit dem 2017 initiierten KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel (KOMPASS) hat das Hessische Innenministerium ein Angebot für Städte und Gemeinden oder auch Stadtteile eingerichtet, mit dem diese in Zusammenarbeit mit den relevanten gesellschaftlichen Akteuren und dem Land ihre Sicherheitsarchitektur gezielt weiterentwickeln können, um vor allem die gefühlte Sicherheitslage zu verbessern. Auf Grundlage einer Bestandsaufnahme bestehender Präventionsangebote und der Sicherheitslage sowie einer Bürgerbefragung sollen konkrete Lösungsvorschläge für die Sicherheitsbedarfe vor Ort erarbeitet werden. Im Rahmen des bundesweit einmaligen Programms, über das gegenwärtig 152 hessische Kommunen im Austausch mit ihren Bürgerinnen und Bürgern stehen, wurden hessenweit zahlreiche Sicherheitsanalysen und Bürgerbefragungen zur Erkennung von Problemfeldern in Kommunen und der Entwicklung entsprechender Lösungsansätze durchgeführt.
Neues Sicherheitsportal online
Die Mitmach-Sicherheitsangebote des Landes sind seit Anfang des Jahres unter dem Dach von „Gemeinsam Sicher in Hessen“ gebündelt und online über das „ Sicherheitsportal HessenÖffnet sich in einem neuen Fenster“ zugänglich. Das Sicherheitsportal vereint die Meldestelle HessenGegenHetze, die Onlinewache der hessischen Polizei und den neuen landesweiten Mängelmelder. Er ermöglicht die unkomplizierte Übermittlung von Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, zum Beispiel eine defekte Straßenbeleuchtung, an die zuständige Kommune. Am hessenweiten Mängelmelder sind gegenwärtig mehr als 330 von 421 hessischen Kommunen beteiligt. Bad Nauheim ist mit seinem eigenen Mängelmelder an das landesweite System angeschlossen.
Weiterführende Informationen zum KOMmunalProgrAmmSicherheitsSiegel finden Sie unter kompass.hessen.de. Interessierte Kommunen können sich an kompass@hmdis.hessen.de wenden.