Polizeiauto mit Blaulicht auf einer dunklen Straße

Hessisches Ministerium des Innern und für Sport

So wenig Verkehrstote wie noch nie

Die Verkehrsunfälle sind von 2019 auf 2020 um rund 18 Prozent zurückgegangen.

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Die hessische Polizei hat im Jahr 2020 mit 122.786 Verkehrsunfällen auf Hessens Straßen so wenige Vorkommnisse registriert, wie seit 1997 nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 hat die Anzahl der Unfälle um rund 18 Prozent (-26.654 Fälle) deutlich abgenommen. Dabei kamen insgesamt 205 Verkehrsteilnehmer ums Leben; das ist der niedrigste Wert seit 1950 (2019: 224).

„Besonders ermutigend ist, dass im Jahr 2020 kein Kind im Straßenverkehr getötet wurde. Insgesamt ist die Verkehrsunfallstatistik von weniger Unfällen sowie deutlich weniger Schwerverletzten und Getöteten gekennzeichnet. Der erhebliche Rückgang der Fallzahlen definitiv auch in den veränderten Mobilitätsverhalten während der Pandemie begründet. Corona hat die Unfallzahlen in Hessen gebremst. Obwohl merklich mehr Menschen vom öffentlichen Personennahverkehr auf das eigene Auto, Motorrad oder Fahrrad umgestiegen sind, war insgesamt ein deutlich geringeres Verkehrsaufkommen zu verzeichnen. Der Unfallrückgang ist eine der wenigen erfreulichen Nebenwirkungen der Pandemie“, so Innenminister Peter Beuth.

2020 so wenig Verkehrstote wie noch nie

Neben der historisch niedrigen Zahl getöteter Menschen (205, kein Kind), ist ebenso ein Rückgang bei schwer verletzten Kindern (2020: 200, 2019: 235) und im Straßenverkehr leicht verletzter Kinder (2020: 992, 2019: 1.239) zu verzeichnen. Für die Altersgruppe der Jugendlichen ist die Entwicklung nur im Bereich der Schwerverletzten (Rückgang um 20 Prozent auf 191 Verletzte) und Leichtverletzten (Rückgang um 12 Prozent auf 844 Verletzte) ähnlich positiv. Im Jahr 2020 wurden bedauerlicherweise fünf Jugendliche im Straßenverkehr getötet (2019: 3 Jugendliche).

Bei den Senioren ist insgesamt ein deutlicher Rückgang der Gesamtzahl der Verunglückten registriert worden. In der kumulierten Altersgruppe der Senioren ab 65 Jahre sind die Zahlen der Getöteten (2020: 55, 2019: 62), die der Schwerverletzten (2020: 695, 2019: 847) und die der Leichtverletzten (2020: 1.896, 2019: 2.279) deutlich zurückgegangen.

Deutlich weniger Unfälle auf Autobahnen

Mit 12.330 Verkehrsunfällen auf Hessens Autobahnabschnitten nahmen diese um 30 Prozent (2019: 17.633 Fälle) am stärksten ab. Das geringere Mobilitätsverhalten infolge der Pandemie zeigt sich aber auch auf allen anderen Straßen. Auf Bundesstraßen passierten 18.048 Unfälle (-4.007 Unfälle = - 18,2 %), auf Landesstraßen 21.321 Unfälle (-2.540 = -10,7%), auf Kreisstraßen 9.496 Unfälle (-1.741 = 15,5%) und auf sonstigen Straßen 61.591 Unfälle (-13.063 = -17,5%).

Mehr zugelassene Motoräder, weniger Motorradunfälle

Die Zulassungszahlen von Krafträdern hatten im Jahr 2020 um 30 Prozent und damit deutlich zugenommen. Entgegen des allgemein verzeichneten verringerten Mobilitätsverhaltens hat die hessische Polizei eine Zunahme der Verkehrsbeteiligung motorisierter Zweiräder auf den hessischen Straßen registriert. Dennoch ist die Anzahl der Leichtverletzten ebenso zurückgegangen (2020: 1.807, 2019: 1.974), wie die Anzahl der Schwerverletzten (2020: 742, 2019: 839). 54 Kradfahrer wurden 2020 im Straßenverkehr getötet; das ist eine Person mehr als 2019.

Aufgrund immer noch hoher Unfall- und Verunglücktenzahlen aller motorisierten Zweiradfahrer, aber insbesondere von Motorrädern mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum, wird die hessische Polizei diese Verkehrsteilnehmer weiterhin besonders in den Fokus nehmen.

„Für Motorradfahrer ist das Risiko, bei einem Unfall zu Schaden zu kommen, mit Abstand am größten. Deshalb ist es für Biker besonders wichtig, sich an die Regeln zu halten und achtsam zu fahren. Die hessische Polizei setzt neben zahlreichen Präventionsmaßnahmen auch gezielt auf Motorradstreifen, um das Fahrverhalten einzelner Motorradfahrender zu kontrollieren und Verstöße zu ahnden. Wir stellen der Polizei dafür künftig fünf weitere mit Video-Aufzeichnungstechnik ausgestattete Motorräder zur Verfügung und verdoppeln damit die Polizei-Videokrads im Einsatz“, so Innenminister Peter Beuth. Insgesamt sind dann zehn dieser speziell ausgerüsteten motorisierten Zweiräder auf Hessens Straßen unterwegs.

Fahrrad, Pedelec, E-Bike und E-Scooter

Der Verkauf von Fahrrädern und Co. stieg infolge der Corona-Pandemie in 2020 deutlich an. Bei den „klassischen“ Fahrradfahrern sind sowohl die Gesamtunfallzahlen (-0,5 Prozent) als auch die Anzahl der getöteten Fahrradfahrer (2020 und 2019 jeweils 18) hingegen gleichgeblieben. Während die Anzahl der Schwerverletzten leicht rückläufig ist (2020: 662, 2019: 671), hatte die Anzahl der Leichtverletzten zugenommen. (2020: 2.877, 2019: 2.827).

Allerdings stiegen die Verkehrsunfallzahlen mit Beteiligung von Pedelec-Fahrern an. Insgesamt neun Menschen kamen auf diesem Verkehrsmittel 2020 ums Leben (2019: 5). Ebenso wurden mehr Personen schwer- (2020: 170, 2019: 109) und mehr leichtverletzt (2020: 460, 2019: 336). Auf dem E-Bike kamen in den vergangenen beiden Jahren keine Personen ums Leben. Schwer verletzt wurde eine Person weniger (2020: 2, 2019:3) und leicht verletzt eine Person mehr als 2019 (2020: 14, 2019: 13).

Mit Elektrokleinstfahrzeugen (wie beispielsweise E-Scooter), die seit Juni 2019 im öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sind, wurden 2020 insgesamt 221 Verkehrsunfälle gezählt. Dabei kam kein Mensch ums Leben. 27 Personen wurden schwer- und 127 Personen leichtverletzt.

Verstärkter Einsatz gegen Autoposer und -raser

Bundesweit und auch in Hessen kommt es immer wieder zu illegalen, oft spontan aber auch verabredet ausgetragenen Autorennen. Die hessische Polizei hatte im Jahr 2018 elf und im Jahr 2019 insgesamt 82 Anzeigen wegen verbotener Kraftfahrzeugrennen aufgenommen. Im vergangenen Jahr stieg diese Zahl um mehr als das doppelte auf 155 Anzeigen an. In zwei Fällen verursachten diese Verstöße Verkehrsunfälle mit verheerenden Folgen. Im Oktober 2020 wurde auf der Autobahn 66 ein unbeteiligter Verkehrsteilnehmer und im November 2020 zwei unbeteiligte Verkehrsteilnehmer in der Frankfurter Innenstadt in Folge getötet. In beiden Fällen besteht der Verdacht auf illegale Kraftfahrzeugrennen.

„Fahrzeuge können durch leichtfertige Raserei zu tödlichen Waffen werden. Wer unsere Straßen für illegale Rennen oder seinen persönlichen Geschwindigkeitsrausch missbraucht, muss unmittelbar Konsequenzen spüren. Die hessische Polizei hat den Kampf gegen Raser in den letzten Jahren deutlich intensiviert. Der erhöhte polizeiliche Kontrolldruck auf Raser zeigt sich allein schon darin, dass sich die Anzahl der gefertigten Anzeigen im Bereich der verbotenen Rennen von elf im Jahr 2018 auf 155 im Jahr 2020 vervielfacht hat. Wir haben diese Gefahr erkannt und gehen massiv dagegen vor: Die Polizei Hessen hat in allen Polizeipräsidien spezialisierte Kontrolleinheiten. Konzeptionelle Lagebildauswertungen sowie präsidiumsübergreifende Schwerpunkteinsätze werden den Druck auf Raser hochhalten. Die fürchterlichen Unfälle im vergangenen Jahr mit dem Tod unschuldiger Menschen sind traurige Belege dafür, wie wichtig es ist den Kampf gegen Raserei entschlossen fortzuführen. Die deutlich erhöhten Bußgelder für Tempoverstöße können ebenfalls einen Beitrag leisten, um Todesfälle durch Raserei zu verhindern“, so Innenminister Peter Beuth.

Seit der Neueinführung der Strafbarkeit der Beteiligung an verbotenen Kraftfahrzeugrennen nach § 315 d StGB im Jahr 2017 können solche Handlungen stärker sanktioniert werden. Neben den strafrechtlichen treten in vielen Fällen fahrerlaubnisrechtliche Konsequenzen hinzu sowie die Einziehung des genutzten Fahrzeugs als Tatmittel. Häufig ist nicht bekannt, dass auch ein einzelner Verkehrsteilnehmer diesen Straftatbestand bereits erfüllen kann, wenn er sich grob verkehrswidrig und rücksichtslos im Straßenverkehr bewegt, um die höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen. Dies ist völlig unabhängig davon, welche Höchstgeschwindigkeit das Kraftfahrzeug bauartbedingt erreichen kann.

Die hessische Polizei begegnet illegalen Autorennen mit speziellen Einsatzkonzepten. So wurden bei den Polizeipräsidien Frankfurt und Westhessen Kontrolleinheiten eingerichtet (Kontrolleinheit Autoposer, Raser, Tuner - „KART“), die sich mit illegalen Autorennen, aber auch mit dem Gesamtkomplex Tunen, Rasen und Posen befassen. Auch in allen anderen Polizeipräsidien reagieren die Verkehrsdienststellen sensibel auf das Phänomen und stehen hierzu im dauerhaften Austausch miteinander.

„Carfreitag“: Hessenweit 1.677 Kontrollen in der „Tuning-Szene an Ostern

Im Bereich „Tuning“ war die hessische Polizei zuletzt am sogenannten „Carfreitag“ als landesweite Aktion am Karfreitag großflächig im Einsatz. Hessenweit wurden dabei 1677 Fahrzeuge einer Kontrolle unterzogen. Dabei wurden 58 Straftaten festgestellt und 4462 Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht. Sieben Kraftfahrzeuge wurden vorläufig aus dem Verkehr gezogen.

„Speedmarathon“: Hessenweite Kontroll-Aktion gegen Geschwindigkeitsverstöße

Im Rahmen des europaweiten Aktionstags unter dem Titel SPEEDMARATHON werden heute in Hessen 200 Kontrollstellen eingerichtet an denen rund 500 Polizeibeamte eingesetzt sind. Damit rufen die hessische Polizei und teilnehmende Kommunen die Gefahren und Folgen zu schnellen Fahrens ins Bewusstsein. Zwischen 6 Uhr und 22 Uhr geraten Raser verstärkt ins Visier der Geschwindigkeitsmesser.

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