Innenminister Roman Poseck erklärte während der Bescheidübergabe: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie muss jeden Tag neu gelebt und verteidigt werden. Wir stärken Zivilcourage und stellen uns jeder Form von Extremismus mit klarer Haltung entgegen. Gerade in Zeiten, in denen Extremismus, Antisemitismus und Verschwörungsideologien sichtbar sind und offensichtlich weiteren Zulauf erfahren, ist es unsere gemeinsame Aufgabe, entschlossen zu handeln.
Hessen verbindet konsequente Strafverfolgung mit einer starken Präventionsarbeit, die früh ansetzt und nachhaltig wirkt. Ich erlebe in vielen Gesprächen mit jungen Menschen eine große Bereitschaft, sich für unsere demokratischen Werte einzusetzen. Dieses Engagement wollen wir gezielt stärken. Mit dem Landesprogramm ´Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus` schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Jugendliche sensibilisiert werden, Extremismus erkennen und den Mut entwickeln, sich klar dagegen zu positionieren.
Der deutliche Anstieg antisemitischer Vorfälle seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zeigt, wie dringend dieses Engagement ist. Allein im Jahr 2024 wurden in Hessen 926 antisemitische Vorfälle dokumentiert, ein Anstieg um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung ist alarmierend und zugleich ein klarer Auftrag: Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz.
Deshalb fördern wir gezielt Projekte, die aufklären, sensibilisieren und zur aktiven Mitgestaltung unserer Demokratie befähigen. Der Hessische Jugendring leistet hier seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag. Er ist die Arbeitsgemeinschaft von 31 landesweit aktiven Jugendorganisationen und somit die größte Interessengemeinschaft für Kinder und Jugendliche in Hessen. Mit Projekten wie dem ´Netzwerk für Demokratie und Courage` sowie dem ergänzenden Projekt ´NDC 2 – Projekt zum Thema Antisemitismus, Verschwörungstheorien und eigene Verantwortung` werden junge Menschen gestärkt, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Dieses wichtige Engagement stärken wir gezielt und unterstützen die Arbeit des Hessischen Jugendrings mit insgesamt 600.000 Euro. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement. Sie leisten einen wertvollen Beitrag für unsere Demokratie.“
Förderung stärkt Demokratiearbeit junger Menschen
Mario Machalett, Vorsitzender des Hessischen Jugendrings, betonte: „Die Weiterförderung des ´Netzwerks für Demokratie und Courage` ist ein wichtiges Signal für die demokratische Bildungsarbeit in Hessen. Als zivilgesellschaftlicher Träger bringt sich der Hessische Jugendring seit Jahrzehnten aktiv in die Demokratieförderung des Landes ein. Gerade angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle und der Verbreitung von Verschwörungserzählungen braucht es starke Bildungsangebote, die junge Menschen sensibilisieren und demokratische Haltung stärken."
Abschließend dankte Machalett Innenminister Poseck für die Möglichkeit, die Arbeit des NDC heute persönlich vorstellen zu können: „Wir freuen uns, dass Innenminister Roman Poseck sich heute persönlich über das Projekt informiert hat. Die Förderung schafft Planungssicherheit und ermöglicht es, die erfolgreiche Bildungsarbeit des Netzwerks für Demokratie und Courage in ganz Hessen weiterzuführen und auszubauen.“
Jugendring setzt auf Bildung und Zivilcourage
Die beiden Projekte des Hessischen Jugendrings – das „Netzwerk für Demokratie und Courage“ sowie „NDC 2 – Projekt zum Thema Antisemitismus, Verschwörungstheorien und eigene Verantwortung“ werden im Rahmen der dritten Förderperiode (2025 bis 2029) des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ unterstützt. Ziel des Programms ist es, die demokratische Basis in Hessen nachhaltig zu stärken und verfassungsfeindliche Bestrebungen wirksam zurückzudrängen. Ein zentraler Baustein der hessischen Präventionsstrategie ist das Hessische Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE), das seit 2013 unter der Verantwortung des Hessischen Ministeriums des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz (HMdI) eingerichtet ist. Es koordiniert landesweit die präventiven Aktivitäten für Demokratie und Toleranz sowie gegen verfassungsfeindliche Bestrebungen in allen Phänomenbereichen des Extremismus. Dabei vernetzt es staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure und bündelt Maßnahmen der Demokratieförderung, der Deradikalisierung sowie der politischen Bildung.
Die geförderten Projekte umfassen ein breites Spektrum – von Beratungsstellen für Betroffene über Ausstiegsprogramme für Radikalisierte bis hin zu Bildungs- und Präventionsangeboten, insbesondere auch im digitalen Raum. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Antisemitismusprävention sowie der Sensibilisierung junger Menschen, die sowohl in schulischen als auch in außerschulischen Kontexten erreicht werden.
Zum hessischen Jugendring
Der Hessische Jugendring ist seit über 70 Jahren in vielen Bereichen der Jugendarbeit aktiv. Wichtige Schwerpunktthemen sind zum Beispiel die Förderung von ehrenamtlichem Engagement, außerschulischer Jugendbildung, die Qualifizierung von Ehrenamtlichen sowie die Partizipation von Kindern und Jugendlichen.
Das NDC Hessen umfasst vielfältige Angebote rund um die Schwerpunkte Rassismus, couragiertes Handeln, menschenverachtende Einstellungen/Gruppen und solidarisches Engagement, Sexismus und Queerfeindlichkeit, Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft, Antisemitismus und Verschwörungsdenken. Das ergänzende Projekt NDC 2 setzt darüber hinaus vertiefende Bildungsangebote im Bereich Antisemitismus für Jugendliche ab der 9. Klasse um. Es geht darum, Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren, über die verschiedenen Ebenen und Erscheinungsformen von Antisemitismus aufzuklären und zum couragierten Handeln gegen antisemitische Diskriminierung zu ermutigen.
Die Teilnehmer setzen sich lebensweltorientiert mit den Themen der Projekte auseinander. Zusätzlich werden in einem historisch-politischen Bildungsangebot Kontinuitäten und neue Entwicklungen des Antisemitismus vermittelt.