Innenminister Poseck mit Landrat Dr. Jens Mischak und Landtagsabgeordneter Jennifer Gießler sowie weiteren Personen in einer Gerätehalle.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Eigenverantwortliches Engagement im Katastrophenschutz gewürdigt

Innenminister Roman Poseck besuchte heute das Katastrophenschutzzentrum des Vogelsbergkreises in Alsfeld. Erst vor wenigen Wochen war Innenminister Poseck bereits zu Gast in Lauterbach, um die Katastrophenschutzübung vor Ort zu besuchen.

Dabei konnte er bereits die gelungene Zusammenarbeit zwischen Behörden und Einsatzkräften im Vogelsberg live erleben. Der heutige Termin diente unter anderem dazu, die herausragende Eigeninitiative des Kreises hervorzuheben und die Bedeutung einer engen Verzahnung von zentraler und dezentraler Krisenvorsorge zu betonen. Das Zentrum ist eines der wenigen in Hessen, das nicht nur Material vorhält, sondern auch als Ausweichsitz im Notfall für den Krisen- und Verwaltungsstab fungiert. Es vereint materielle Vorsorge, logistische Handlungsfähigkeit und Führungsstrukturen auf kommunaler Ebene. Damit ist es ein Modell, das angesichts der aktuellen Sicherheitslage beispielgebend ist.

Besonderes Engagement verdient Anerkennung

Innenminister Roman Poseck betonte: „Der Schutz der Bevölkerung ist eine Kernaufgabe des Staates. Er gelingt aber nicht allein durch Gesetze und Zuständigkeiten auf dem Papier, sondern vor allem durch vorausschauendes Handeln, gute Vorbereitung und das verlässliche Zusammenwirken aller Ebenen.

Der Vogelsbergkreis zeigt hier in Alsfeld in eindrucksvoller Weise, wie moderner Katastrophenschutz vor Ort aussehen kann. Mit diesem Katastrophenschutzzentrum wurde nicht nur Material an einem geeigneten Ort gebündelt. Es wurde zugleich eine Struktur geschaffen, die logistische Handlungsfähigkeit, materielle Vorsorge und Führungsfähigkeit in Krisenlagen miteinander verbindet.

Besonders hervorzuheben ist, dass der Kreis diesen Weg aus eigener Initiative beschritten hat. Eine solche Lagerstruktur ist derzeit gesetzlich nicht vorgeschrieben. Gerade deshalb verdient dieses Engagement besondere Anerkennung. Denn es zeigt Verantwortungsbewusstsein, Weitblick und die Bereitschaft, aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Wir alle haben gesehen, wie sehr Pandemie, Fluchtbewegungen, Naturereignisse und andere Krisen unsere staatlichen und kommunalen Strukturen fordern können. Umso wichtiger ist es, dass wir uns nicht erst im Ereignisfall aufstellen, sondern frühzeitig Vorsorge treffen. Genau dafür steht dieses Zentrum.

Der Vogelsbergkreis ist besonders gut im Bereich Krisenvorsorge aufgestellt, weil er nicht nur über ein modernes Katastrophenschutzlager verfügt, sondern auch regelmäßig Übungen durchführt, um die Zusammenarbeit und Abläufe in einer Krise zu trainieren. Die jüngste Übung vom 21. bis 22. März 2026 mit rund 80 Teilnehmern zeigte unter realistischen Bedingungen eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Behörden und Einsatzkräften. Solche Übungen sind unverzichtbar, um die Handlungsfähigkeit in echten Krisenlagen zu sichern und das Vertrauen der Bevölkerung in die Behörden zu stärken.

Krisenvorsorge ist eine Verpflichtung für alle Verantwortungsträger. Die aktuellen Entwicklungen in Europa und weltweit zeigen, wie schnell sich Sicherheitslagen verschärfen können. Der Besuch im Vogelsbergkreis unterstreicht, dass wir auf allen Ebenen Strukturen schaffen müssen, die flexibel, belastbar und anpassungsfähig sind. Die kommenden Herausforderungen verlangen eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Land und Bund, eine kontinuierliche Modernisierung der Vorsorgestrukturen und eine Kultur der Vorbereitung, die nicht erst im Ernstfall beginnt. Dabei handelt Hessen gemeinsam mit den Kommunen, um die Sicherheit unserer Bürger auch in unvorhergesehenen Situationen weiterhin zu gewährleisten. Hier setzen wir auf ein starkes Zusammenspiel von zentralen und dezentralen Strukturen. Das Land trägt Verantwortung für die übergreifende Vorsorge. Gleichzeitig sind starke kommunale Fähigkeiten ein unverzichtbarer Bestandteil eines belastbaren Bevölkerungsschutzes. Das Projekt in Alsfeld passt daher sehr gut zu der Richtung, in die wir den Katastrophenschutz insgesamt weiterentwickeln wollen. Außerdem tragen solche Leuchtturmprojekte das Thema in die Gesellschaft. Neben einem entschlossenen staatlichen Handeln braucht es auch verantwortungsbewusste Menschen, die auch Eigenvorsorge betreiben.

Mein Dank gilt allen, die dieses Vorhaben mit Engagement, fachlicher Überzeugung und praktischem Sachverstand vorangebracht haben. Sie leisten damit einen konkreten Beitrag für die Sicherheit der Bürger. Das verdient Anerkennung und Respekt.“

Landrat Dr. Jens Mischak ergänzt: „Für uns im Vogelsbergkreis war klar – effektiver Bevölkerungsschutz braucht ein festes Fundament. Wir haben hier in Alsfeld bewusst investiert, um im Ernstfall nicht erst wertvolle Zeit mit Logistikfragen zu verlieren, sondern sofort handlungsfähig zu sein. Dass dieses Engagement nun auch landesweit als Vorbild gesehen wird, bestätigt uns in unserem Weg, die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger durch eigene Initiative massiv zu stärken.“

Resilienz und Krisenvorsorge in Hessen

Hessen zeigt eindrucksvoll, wie Vorsorge und Vorbereitung funktionieren. Mit der Stabsrahmenübung Dürre wurde im Hessischen Innenministerium vergangene Woche unter realistischen Bedingungen eine dramatische Dürre-Katastrophe simuliert, um interne Abläufe zu testen und die Handlungsfähigkeit der Behörden für den Ernstfall zu stärken. Diese Übung ist ein klares Zeichen dafür, wie ernst das Land die Vorbereitung auf Extremwetterszenarien nimmt. Nur wer im Vorfeld Abläufe erprobt, kann im Krisenfall auch schnell und zielgerichtet reagieren. Mit der FRARescueFusion 2026 fand vor wenigen Wochen auch die größte Katastrophenschutzübung Hessens statt. Mit rund 250 Einsatzkräften und 120 Verletztendarstellern wurde eine komplexe Großschadenslage simuliert. Die Übung, die sich über das gesamte Stadtgebiet von Frankfurt erstreckte, gilt als die bislang größte ihrer Art und setzt neue Maßstäbe in der Vorbereitung auf komplexe Gefahrenlagen.

Auch die Neubeschaffung moderner Hubschrauber für Polizei und Katastrophenschutz unterstreicht Hessens Weitsicht. Die neuen Maschinen, die ab 2029 zum Einsatz kommen, werden mit hochmoderner Technik wie digitalen Missionssystemen, verbesserten Kameras und erhöhter Löschwasserkapazität ausgestattet sein. Sie stärken nicht nur die Verbrechensbekämpfung, sondern sind auch ein entscheidender Faktor im Katastrophenschutz. Der hessenweite Warntag am 12. März 2026 war ein weiterer Meilenstein der Vorsorge. Mit Sirenen, Cell-Broadcast und Warn-Apps wie hessenWARN wurde die Bevölkerung sensibilisiert und die technische Infrastruktur getestet. Ein solches Warnsystem ist kein Luxus, sondern eine Lebensversicherung – denn nur wer im Ernstfall schnell informiert wird, kann sich richtig verhalten.

Der Hessische Katastrophenschutz nimmt schon jetzt im Ländervergleich einen Spitzenplatz ein und ist so gut aufgestellt und ausgestattet wie nie zuvor: Das Land Hessen investiert wie kaum ein anderes in die Ausstattung des Katastrophenschutzes und hat so im Rahmen einer vielbeachteten Ausstattungsoffensive Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 100 Millionen Euro bereitgestellt. Die Zahl der Landesfahrzeuge im Katastrophenschutz konnte so seit 2008 von 278 auf über 900 mehr als verdreifacht werden. 2025 wurden unter anderem 26 Sonderanhänger Versorgung, 26 Sonderanhänger Betreuung, neun Abrollbehälter Plattform, sieben Abrollbehälter Pritsche, drei Abrollbehälter Tankstelle sowie zwei Abrollbehälter Löschwasserversorgung beschafft.

Seit 2023 stellt das Innenministerium zudem ein landesweites Schulungsangebot für Katastrophenschutz- und Verwaltungsstäbe bereit. Damit stärken wir flächendeckend die Handlungsfähigkeit im Krisenfall. Bis Mitte 2026 werden alle 21 Landkreise und sechs kreisfreien Städte einschließlich der Stadt Hanau das Angebot genutzt haben, ihre Stäbe in bis zu neun aufeinander aufbauenden Modulen ausbilden zu lassen.