Im voll besetzten Konferenzsaal des Hessischen Innenministeriums würdigten sie die von der Jury ausgewählten Gewinnerinnen und Gewinner in den Altersgruppen sechs bis neun Jahre sowie zehn bis 18 Jahre. Die jungen Künstlerinnen und Künstler erhielten hochwertige Gutscheine für Künstlerbedarf. Darüber hinaus bekamen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer Familienkarten für einen Besuch im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach. Zur Preisverleihung waren neben den Kindern und Jugendlichen und ihren Familien auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Verbände der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler sowie Abgeordnete des Hessischen Landtags gekommen.
Innenminister Roman Poseck würdigte den Malwettbewerb mit den Worten:
„Die große Beteiligung und die Vielfalt der eingereichten Werke zeigen, wie intensiv sich die Kinder und Jugendlichen mit ihrer Familiengeschichte beschäftigt haben. Dabei sind nicht nur viele kreative Arbeiten entstanden. Die jungen Künstlerinnen und Künstler haben sich auch mit sehr persönlichen und teilweise emotionalen Themen auseinandergesetzt. Das verdient große Anerkennung. Ich danke Andreas Hofmeister für die Initiative zu diesem Wettbewerb und allen Kindern und Jugendlichen, die mit ihren Bildern dazu beitragen, die Erinnerung an die Geschichte der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler lebendig zu halten.“
Landesbeauftragter Andreas Hofmeister hatte den Malwettbewerb erstmals in diesem Jahr ausgerufen. Vom 4. Mai bis zum 30. Juni 2026 waren Kinder und Jugendliche in ganz Hessen eingeladen, sich mit der Herkunft und Geschichte ihrer Familien aus den Vertreibungs- und Siedlungsgebieten in Ostmittel- und Südosteuropa sowie Osteuropa und Zentralasien auseinanderzusetzen und ihre Gedanken und Erinnerungen künstlerisch zum Ausdruck zu bringen.
Landesbeauftragter Andreas Hofmeister erklärte:
„Die persönlichen Geschichten und Erinnerungen unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern sind wertvolle familiäre Schätze. Ihr Wert steigt, je älter sie werden. Gleichzeitig erleben wir, dass immer weniger Menschen aus eigener Erfahrung von Flucht, Vertreibung, Deportation und Aussiedlung berichten können. Umso wichtiger ist es, dass wir die junge Generation dafür gewinnen, nachzufragen, zuzuhören und sich mit den eigenen familiären Wurzeln auseinanderzusetzen. Genau dazu sollte unser Malwettbewerb anregen. Die eingereichten Bilder zeigen auf beeindruckende Weise, dass Geschichte lebendig bleibt, wenn sie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Kulturpflege ist dabei nicht allein eine Aufgabe der Wissenschaft oder der Verbände. Es kommt auf jeden Einzelnen an, dazu beizutragen, dass die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Vertreibungs- und Herkunftsgebiete dauerhaft erhalten bleibt.“
Die eingereichten Arbeiten sind sehr vielfältig. Neben Kirchen, Baudenkmälern und Erinnerungen an die früheren Heimatorte griffen sie auch schwierige und emotionale Kapitel der Familiengeschichte auf. Zu den Motiven gehören beispielsweise Darstellungen der Deportation von Vorfahren in die sibirischen Weiten.
Erinnerungen der Erlebnisgeneration für die Zukunft bewahren
Hessen hat nach dem Zweiten Weltkrieg rund eine Million Heimatvertriebene und später fast 300.000 Aussiedler und Spätaussiedler aufgenommen. Heute besitzt annähernd ein Drittel der hessischen Bevölkerung direkt oder über die familiäre Abstammung einen entsprechenden Hintergrund. Die Geschichte der Heimatvertriebenen sowie der Aussiedler und Spätaussiedler ist damit ein fester Bestandteil der hessischen Identität.
Acht Jahrzehnte nach Flucht und Vertreibung und 85 Jahre nach der Zwangsdeportation der Wolgadeutschen nach Zentralasien durch den sowjetischen Diktator Josef Stalin nimmt die Zahl der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die noch aus eigenem Erleben berichten können, immer weiter ab. Mit dem Malwettbewerb möchte der Landesbeauftragte deshalb insbesondere Kinder und Jugendliche dazu ermutigen, sich mit der Geschichte ihrer Familien auseinanderzusetzen und die Erinnerungen der Erlebnisgeneration für die Zukunft zu bewahren.