Innenminister Roman Poseck bei der Feuerwehr Holzhausen in Dautphetal und im Gespräch mit Kindern der Hünsteinschule.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Feuerwehr und Grundschule gemeinsam vor Ort

Mit dem Pilotprojekt zur Brandschutzerziehung, Feuerwehrbildung und frühzeitigen Nachwuchsgewinnung vermitteln die Freiwillige Feuerwehr Holzhausen und die Hünsteinschule in Dautphetal Kindern grundlegende Kenntnisse über Brandschutz und Feuerwehrarbeit.

Feuerwehr macht Schule. Die Freiwillige Feuerwehr Holzhausen hat ein eigenes Konzept entwickelt, um die Grundschule im eigenen Ort enger mit der Feuerwehr zu verbinden. Kinder sollen die Feuerwehr nicht erst kennenlernen, wenn es brennt. Sie sollen früh wissen, wie sie sich schützen und wer ihnen im Notfall hilft.

Roman Poseck Innenminister

Das gemeinsame Konzept begleitet die Grundschulzeit mit Unterricht und praktischen Angeboten. Beim ersten Erlebnistag am Feuerwehrstandort Holzhausen besucht Innenminister Roman Poseck mit rund 40 Drittklässlern fünf Lernstationen. Die Erfahrungen sollen zeigen, ob das Modell auch an anderen Schulen eingesetzt werden kann.

Innenminister Roman Poseck erklärte: „Was mache ich, wenn zu Hause der Rauchmelder Alarm schlägt? Wo finde ich Hilfe und was sollte ich auf keinen Fall tun? Solche Fragen lassen sich am besten beantworten, bevor ein Notfall eintritt. Kinder sollen die Feuerwehr nicht erst kennenlernen, wenn es brennt. Sie sollen früh wissen, wie sie sich schützen und wer ihnen im Notfall hilft.

Die Freiwillige Feuerwehr Holzhausen hat das erkannt und ein eigenes Konzept entwickelt, um die Grundschule im eigenen Ort enger mit der Feuerwehr zu verbinden. Die Feuerwehr soll für Kinder und Lehrkräfte nicht nur bei einem Einsatz sichtbar sein, sondern als vertrauter, erreichbarer Bestandteil des Dorflebens erlebt werden. Gleichzeitig soll die bestehende Brandschutzerziehung über die Kindergartenzeit hinaus sinnvoll fortgeführt werden. Daraus entstand ein zweistufiges Konzept: altersgerechte Angebote in der Schule und ein zusätzlicher erlebnisorientierter Tag am Feuerwehrgerätehaus für die älteren Grundschulkinder.

Praktische Erfahrungen helfen beim Verstehen

Ich begrüße diese Idee und besuche heute die Feuerwehr Holzhausen in Dautphetal und begleite Kinder der Hünsteinschule durch verschiedene Lernstationen. Sie staunen, wenn sie sehen, was Feuer zum Brennen braucht und merken, wie schwer die Orientierung bei Rauch fällt. Wer etwas selbst ausprobiert, versteht oft mehr, als viele Erklärungen vermitteln können. Mir gefällt besonders, dass hier nicht ein einzelner Aktionstag im Mittelpunkt steht. Brandschutzerziehung ist eine Daueraufgabe, daher möchte die Feuerwehr über vier Schuljahre hinweg Vertrauen aufbauen und Wissen festigen.

Die Kinder begegnen dabei auch Menschen, die freiwillig Verantwortung übernehmen und gemeinsam anderen helfen. Vielleicht wächst daraus später die Begeisterung für die Kinderfeuerwehr oder Jugendfeuerwehr. Hessen verzeichnet seit Jahren steigende Mitgliederzahlen: Aktuell engagieren sich über 45.000 Kinder und Jugendliche in unseren Nachwuchsfeuerwehren.

Extremwetter, Naturkatastrophen und die veränderte Sicherheitslage machen deutlich, wie wichtig Selbstschutz ist. Wir müssen das Thema in die Gesellschaft tragen und vor allem auch junge Menschen besser erreichen. Leider verschließen immer noch viele Menschen in unserem Land die Augen vor den Realitäten. Die Bedeutung des Bevölkerungsschutzes ist in den skandinavischen und baltischen Ländern viel stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert.

Brandschutzerziehung: Besondere Bildungs- und Erziehungsaufgaben

Deshalb fördert Hessen die Brandschutzerziehung in hohem Maße. Eine starke Grundlage für die hessenweite, flächendeckende Durchführung der Brandschutzerziehung und die Vermittlung von Basis-Informationen aus dem Bereich Bevölkerungsschutz im Schulunterricht hat die Novellierung des Hessischen Schulgesetzes im Jahr 2022 geschaffen. Dort wurde die Brandschutzerziehung als ‚Besondere Bildungs- und Erziehungsaufgaben‘ aufgenommen.

Hauptamtliche Brandschutzerziehungskoordinatoren in Kreisen, kreisfreien Städten und Städten mit Sonderstatus werden in den ersten drei Jahren mit bis zu 20.000 Euro jährlich gefördert, danach bis zu 10.000 Euro. Hinzu kommen 34 ausleihbare Gerätewagen Brandschutzerziehung, jährlich rund 150.000 Euro für Materialien und Angebote sowie seit 2023 eine hauptamtliche Stelle beim Landesfeuerwehrverband für rund 60.000 Euro pro Jahr. Die 2024 eingerichtete Kompetenzstelle an der Hessischen Landesfeuerwehrschule entwickelt Lehrgänge, Unterrichtskonzepte und digitale Angebote und unterstützt Lehrkräfte. Im Jahr 2025 leisteten rund 13.500 ehrenamtliche Brandschutzerziehende etwa 74.000 Stunden. Sie erreichten rund 65.000 Kinder in Einrichtungen und weitere 16.000 bei Feuerwehrbesuchen.

Im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen arbeitet das Land Hessen derzeit an der flächendeckenden Implementierung der Brandschutzerziehung als zentralem Baustein des Bevölkerungsschutzes in den Schulunterricht der dritten Klassen. Dass die Einbindung von Themen des Bevölkerungsschutzes in den Schulunterricht ein wirksames und notwendiges Mittel ist, hat auch die vergangene Innenministerkonferenz auf Initiative Hessens hervorgehoben.

Mein besonderer Dank gilt besonders allen ehrenamtlichen Brandschutzerziehern. Ihr Engagement ist unverzichtbar. Sie leisten nicht nur hervorragende Arbeit in der Brandschutzerziehung, sondern tragen auch maßgeblich zur Nachwuchsgewinnung für die Freiwillige Feuerwehr bei und das oft zusätzlich zu ihrem Beruf und ihren familiären Verpflichtungen. Dafür gebührt ihnen unser aller Dank und Respekt!

Ich danke auch der Feuerwehr Holzhausen, der Hünsteinschule und der Gemeinde Dautphetal für diesen Einsatz. Ich hoffe, dass ihr Beispiel Schule macht.“

Von der Grundschule bis zur Jugendfeuerwehr mit einem durchgängigen Konzept

Kommunen, Kreise und Land tragen gemeinsam Verantwortung für die Brandschutzerziehung. Sie ist seit Ende 2022 im Hessischen Schulgesetz verankert, der Bevölkerungsschutz seit Juni 2026 ebenfalls ausdrücklich in § 6 Absatz 4. Künftig sollen grundlegende Kenntnisse des Brandschutzes und des Bevölkerungsschutzes flächendeckend in allen dritten Klassen Hessens vermittelt werden.

Das Unterrichtsmaterial wurde gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe um Selbstschutz und Selbsthilfe erweitert.

Das neue Projekt knüpft an die Brandschutzerziehung im Kindergarten an und schließt die Lücke bis zu einem möglichen Eintritt in die Jugendfeuerwehr. In den Klassen eins und zwei geht es um Feuer, Rauch, Notrufe und richtiges Verhalten. In den Klassen drei und vier werden Brennen, Löschen und Feuerwehrarbeit vertieft.

Beim Erlebnistag lernen die Kinder an fünf Stationen: „Brennen und Löschen“ erklärt mit Experimenten, wie Feuer entsteht und bekämpft wird. Das „Brandschutzmobil Hessen“ bietet weitere praktische Einblicke. Bei „Rauch und Orientierung“ erfahren die Drittklässler unter fachlicher Aufsicht und mit abgestimmtem Sicherheitskonzept, wie eingeschränkte Sicht die Orientierung erschwert. „Feuerwehr in der Praxis“ vermittelt Einsatzabläufe und Zusammenarbeit, „Spiel und Gemeinschaft“ stärkt Teamgeist und Freude am Mitmachen. Anschließend werden die Erfahrungen von Schulkindern, Lehrkräften und Feuerwehr ausgewertet, um das Konzept weiterzuentwickeln und seine Übertragbarkeit zu prüfen.

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