Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Feuerwehren sind für den Ernstfall gerüstet

Die anhaltende Hitze und Trockenheit haben die Feuerwehren zuletzt stark gefordert. Innenminister Poseck dankt den Einsatzkräften für ihren unermüdlichen Einsatz und verweist auf die gute Vorbereitung.

Im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 12. August 2026 wurden in Hessen insgesamt 21 Wald- und Vegetationsbrände erfasst. Die Größe der betroffenen Flächen reichte bei den konkret dokumentierten Brandflächen von rund 300 Quadratmetern in Bad Soden bis zu 52,9 Hektar bei Rodenbach/Oberrodenbach im Main-Kinzig-Kreis. Dort umfasste die betroffene Fläche nach einer gemeinsamen Vermessung mit HessenForst rund 529.000 Quadratmeter.

Insbesondere bei den größeren Einsatzlagen waren teils mehrere hundert Einsatzkräfte über viele Stunden beziehungsweise bis in die Folgetage gebunden. Bei mehreren Bränden kamen zudem Hubschrauber der hessischen Polizei beziehungsweise der Bundespolizei, das Informations- und Beobachtungssystem IBIS sowie weitere Spezialtechnik zum Einsatz.

Großeinsatz im Main-Kinzig-Kreis

Innenminister Roman Poseck erklärte dazu: „Die extreme Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen stellt unsere Einsatzkräfte vor große Herausforderungen. Auch in Hessen musste unsere Feuerwehr häufig wegen Wald- und Vegetationsbränden ausrücken. So waren in den vergangenen Wochen mehrere Landkreise betroffen, darunter der Hochtaunuskreis, der Vogelsbergkreis, der Rheingau-Taunus-Kreis, der Main-Kinzig-Kreis, der Landkreis Darmstadt-Dieburg und Hersfeld-Rotenburg. Ich möchte auf einige besondere Brandeinsätze etwas konkreter eingehen: 

Besonders schwer getroffen war der Main-Kinzig-Kreis; konkret die Orte Rodenbach und Oberrodenbach. Am 10. August wurden zunächst drei Brandstellen festgestellt, die sich im weiteren Verlauf ausweiteten. Insgesamt war am Ende eine Gesamtfläche von 53 Hektar von Bränden betroffen. Es gab einen mehrtägigen Einsatz der Feuerwehreinheiten aus dem gesamten Main-Kinzig-Kreis sowie ein größerer Kräfteansatz der Polizei. Zur Brandbekämpfung aus der Luft kam zunächst ein Hubschrauber der hessischen Polizei zum Einsatz. Im weiteren Verlauf wurde der im Rheingau-Taunus-Kreis eingesetzte zweite Polizeihubschrauber ebenfalls nach Rodenbach verlegt, sodass dort beide Hubschrauber der hessischen Polizei eingesetzt wurden. Da auch das bayerische Grenzgebiet betroffen war, waren ebenso die Kräfte aus Bayern im Einsatz. Insgesamt war dies die größte dokumentierte Brandfläche zwischen dem 1. und 12. August und einer der größten Brände in der Region Main-Kinzig-Kreis. Erschreckenderweise besteht hier der Verdacht einer vorsätzlichen Brandstiftung.  

Weitere Brände fordern die Einsatzkräfte

Weiterhin kam es am 10. August im niedersächsischen Grenzbereich zu einem Waldbrand, von dem etwa 1 Hektar Waldfläche betroffen war. Ein Löschzug aus Hessen und die Einheiten aus Niedersachsen löschten den schwer zugänglichen Brand. Für die Löscharbeiten war zeitweise die Bundesautobahn voll gesperrt. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Landkreis Kassel und zum Werra-Meißner-Kreis wurde die Lage auch auf hessischer Seite eng begleitet. 

Auch der Rheingau-Taunus-Kreis war mehrmals betroffen: Mehr als 30.000 m² Waldfläche brannte am 5. August in Bad Schwalbach ab. Rund 400 Einsatzkräfte waren im Einsatz; auch die Kräfte aus dem Raum Wiesbaden und Main-Taunus-Kreis haben unterstützt. 

In Grävenwiesbach, im Hochtaunuskreis, kam es am 8. August zu einem besonderen Einsatz: Hier war eine etwa 5.000 m² munitionsbelastete Fläche betroffen. Rund 200 Einsatzkräfte haben mehrere Stunden den Brand gelöscht. Das Feuer breitete sich aus einem Waldgebiet in Richtung eines Depots der Bundespolizei aus und erreichte auch Wald- und Wiesenflächen auf dem Gelände. Die dortigen Gebäude konnten durch die Feuerwehr geschützt werden. Wegen der Munitionsbelastung konnte die betroffene Fläche durch Einsatzkräfte nicht betreten werden. Zur Brandbekämpfung wurden Kreisregner aus dem gesamten Hochtaunuskreis sowie ein Hubschrauber der Bundespolizei eingesetzt. Auch der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt war beratend eingebunden.

Dank an die Einsatzkräfte

Das ist nur ein kurzer Ausschnitt des Brandgeschehens der vergangenen Tage. Und schon dieser zeigt, dass unsere Einsatzkräfte in diesem Sommer besonders stark gefordert sind. Unter schwierigsten Bedingungen, oft über Stunden und bei großer Hitze, stehen sie bereit, um Wälder, Ortschaften und Menschen zu schützen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Wir dürfen niemals vergessen, dass die allermeisten Einsatzkräfte im Ehrenamt tätig sind. Sie nehmen also diese Strapazen in ihrer Freizeit auf sich. Diese Wochen zeigen, dass sie eine große Verantwortung für uns alle übernehmen und unverzichtbar sind. Sie verdienen hierfür die volle Anerkennung und Rückendeckung von Gesellschaft und Politik. Es ist ein großes Glück, dass wir in Hessen rund 80.000 ehrenamtliche Einsatzkräfte haben, auf die jederzeit Verlass ist.

Ich danke allen Brandschützern herzlich, die sich unermüdlich für den Schutz der Bürger einsetzen. 

Die Wetterprognosen lassen in der nächsten Woche etwas kühlere Temperaturen und auch Niederschlag erwarten. Ich hoffe sehr, dass dies auch Entspannung für die Einsatzkräfte bedeutet.

Darüber hinaus waren die hessischen Einsatzkräfte zuletzt auch parallel durch andere Großbrände gefordert. Ich erinnere insoweit an die verheerenden Brände in der Lauterbacher Altstadt und bei einem Entsorgungsbetrieb in Gernsheim.“

Hessen ist gut auf Wald- und Vegetationsbrände vorbereitet

Die extreme Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen stellt die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist es zu betonen, dass Hessen auf Wald- und Vegetationsbrände gut vorbereitet ist. „Wir haben in den vergangenen Jahren gezielt in Technik und Ausbildung investiert, von den Waldbrand-Einsatzsets in der Fläche, über die Gerätewagen in allen Landkreisen, bis zu den Löschwasserabwürfen unserer Polizeihubschrauber. Daran werden wir auch in Zukunft festhalten.

Gut aufgestellt mit Technik und Ausstattung

Konkret verfügen wir landesweit über 426 Waldbrand-Einsatzsets, die auf den ohnehin vorhandenen Löschfahrzeugen unserer Feuerwehren mitgeführt werden können. Ergänzend stehen an den Standorten Darmstadt, Lauterbach, Wolfhagen und Wetzlar vier Abrollbehälter Waldbrandbekämpfung mit Wasserbehältern von bis zu 35.000 Litern bereit, um auch die Luftunterstützung mit Löschwasser zu versorgen. Für alle unteren Katastrophenschutzbehörden haben wir 26 geländegängige Gerätewagen-Logistik beschafft und stationiert, ausgestattet mit Modulen für Vegetationsbrand, Hochwasser und Evakuierung.  

Auch aus der Luft sind wir gut aufgestellt. Bei der Polizeifliegerstaffel in Egelsbach stehen drei Hubschrauber bereit, die mit Bambi-Buckets Löschwasser abwerfen können, im Bedarfsfall unterstützt durch zwei weitere Maschinen der Bundespolizei. Seit Beginn dieser Kooperation haben wir hessenweit bereits mehr als 1.800 Löschwasserabwürfe durchgeführt. Seit Januar 2023 fördern wir zudem gezielt die Beschaffung von Löschfahrzeugen mit spezieller Ausstattung zur Waldbrandbekämpfung – allein im vergangenen Jahr sind mehr als 20 Millionen Euro in die Brandschutzförderung geflossen.

Ausbildung und Digitalisierung stärken Einsatzkräfte

Wir setzen aber nicht nur auf Technik, sondern auch auf Wissen. An der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel bilden wir unsere Einsatzkräfte in speziellen Seminaren zur Waldbrandbekämpfung in Technik und Taktik aus, und mit der ‚Arbeitsgruppe Waldbrandbekämpfung Hessen‘ haben wir gemeinsam mit Feuerwehrverbänden und Hessen Forst eine Handlungsempfehlung erarbeitet, die allen Feuerwehren im Land zur Verfügung steht. 

Zudem digitalisieren wir die Einsatzplanung: Seit 2024 nutzen Feuerwehren, Katastrophenschutz, Leitstellen, Polizei und Hessen Forst digitale Waldbrandeinsatzkarten mit Informationen zu Waldwegen, Befahrbarkeit, Rettungspunkten und Löschwasserentnahmestellen. Ergänzend erproben wir Sensortechnik zur Früherkennung, Wärmebilddrohnen zur Suche nach Glutnestern und setzen die Drohnengruppen unserer Landkreise zur Erkundung ein.

Die Bilder aus Südeuropa nehmen wir ernst, die Verhältnisse dort lassen sich aber nicht eins zu eins auf Hessen übertragen. Entscheidend bleibt am Ende der Mensch. Rund 80.000 ehrenamtliche und rund 3.000 hauptberufliche Einsatzkräfte sorgen dafür, dass im Ernstfall schnell, ortskundig und verlässlich gelöscht wird. Deshalb fördern wir das Ehrenamt auch weiterhin mit rund 3,2 Millionen Euro jährlich, darunter 2,4 Millionen Euro für Anerkennungsprämien nach zehn- bis fünfzigjährigem aktivem Dienst.

Wir werden die besonderen Einsätze dieses Sommers auch im Nachhinein auswerten und weitere Handlungs- und Unterstützungsbedarfe für unsere Feuerwehren prüfen. Aktuell zeigen aber die professionellen und erfolgreichen Einsätze, dass sich Hessen bereits im Vorfeld gut auf die Herausforderungen des heißen und trockenen Sommers vorbereitet hat“, so Roman Poseck abschließend. 

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