Herr Poseck steht mit vier Personen vor einem Feuerwehrauto. Gemeinsam hält er mit einem der Männer einen Förderbescheid in den Händen.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Gemeinsam für mehr Löschwasser vorsorgen

Innenminister Roman Poseck hat dem Landkreis Marburg-Biedenkopf einen Förderbescheid in Höhe von 100.000 Euro für das interkommunale Projekt „Gemeinsame mobile Löschwasserversorgung“ überreicht. An der Kooperation beteiligen sich neben dem Landkreis alle 22 kreisangehörigen Städte und Gemeinden.

Ziel ist es, insbesondere bei größeren Waldbrandereignissen auch außerhalb urbaner Gebiete schnell und zuverlässig Löschwasser zur Verfügung stellen zu können. Gleichzeitig kann das System künftig zur Trinkwassernotversorgung eingesetzt werden.

Innenminister Roman Poseck erklärte: „Die vergangenen Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, dass sich mit längeren Trockenphasen und ausgeprägten Hitzeperioden auch die Waldbrandgefahr verändert. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Der Waldbrand im Burgwald bei Rauschenberg im Juli 2022, bei dem innerhalb kürzester Zeit knapp 28 Hektar Waldfläche zerstört wurden, hat auch hier im Landkreis Marburg-Biedenkopf gezeigt, wie schnell aus einem Brandereignis eine große Herausforderung für die Einsatzkräfte und die gesamte Region werden kann. Die Verantwortlichen im Landkreis und in den Kommunen haben daraus die richtigen Schlüsse gezogen. Mit der gemeinsamen mobilen Löschwasserversorgung schaffen der Landkreis und alle 22 kreisangehörigen Städte und Gemeinden eine leistungsfähige Struktur, von der die gesamte Region profitiert. Bei größeren Ereignissen sollen spätestens 60 Minuten nach der Alarmierung mindestens 1.000 Liter Löschwasser pro Minute im Kreisgebiet zur Verfügung stehen. Gerade außerhalb geschlossener Ortschaften ist eine verlässliche Wasserversorgung ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Brandbekämpfung. Zugleich wurde das Projekt weitergedacht: Die eingesetzten Abrollbehälter können nach entsprechender Desinfektion auch für Trinkwassernotfalltransporte genutzt werden und ermöglichen ein Transportvolumen von insgesamt 80.000 Litern. Damit verbindet die Kooperation Bevölkerungsschutz, Waldbrandvorsorge und Trinkwassernotversorgung auf sinnvolle Weise. Besonders erfreulich ist, dass nicht erst in Technik investiert wurde, sondern auch in die Menschen, die sie im Ernstfall einsetzen müssen. Die Feuerwehrangehörigen wurden bereits intensiv geschult und auf zukünftige Einsatzlagen vorbereitet. Dafür danke ich allen Kameradinnen und Kameraden, die sich mit großem Engagement für die Sicherheit der Menschen im Landkreis einsetzen.

Vorsorge bedeutet zu handeln, bevor der Ernstfall eintritt

Wie wichtig leistungsfähige Strukturen und eine gute Zusammenarbeit sind, haben die Waldbrände in Hessen in den letzten Wochen, insbesondere im Main-Kinzig-Kreis und im Rheingau-Taunus-Kreis, eindrücklich unter Beweis gestellt, bei denen hunderte Einsatzkräfte über Stunden gemeinsam gegen die Flammen gekämpft haben. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gab es in diesem Sommer glücklicherweise bislang nur kleinere Waldbrandereignisse, die schnell unter Kontrolle gebracht werden konnten. Doch Vorsorge bedeutet gerade, zu handeln, bevor der Ernstfall eintritt. Mit dieser Kooperation ist der Landkreis bei der Waldbrandbekämpfung und der Trinkwassernotversorgung zukunftsfähig aufgestellt.

Gleichzeitig zeigt das Projekt beispielhaft, was Interkommunale Zusammenarbeit leisten kann: Nicht jede Kommune muss für sich allein Strukturen schaffen und Ressourcen vorhalten. Gemeinsam können Aufgaben effizienter organisiert, Synergien genutzt und Einsparpotenziale insbesondere bei Beschaffungen und im laufenden Betrieb realisiert werden. Die Zusammenarbeit des Landkreises Marburg-Biedenkopf mit allen seinen Städten und Gemeinden hat deshalb Vorbildcharakter. Sie zeigt, dass kommunale Grenzen dort keine Rolle spielen dürfen, wo gemeinsame Lösungen mehr Sicherheit für die Menschen schaffen. Ich freue mich sehr, dieses zukunftsweisende Projekt mit 100.000 Euro unterstützen zu können, gratuliere allen Beteiligten zu dieser weitsichtigen Entscheidung und danke ihnen für ihr Engagement.“

Konsequenz aus dem Waldbrand im Burgwald

Ausgangspunkt für das Projekt war eine Planungsbitte der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Jahr 2022 an den Landkreis. Hintergrund war der Waldbrand im Burgwald in der Gemarkung Rauschenberg im Juli desselben Jahres. Innerhalb kurzer Zeit wurden dort knapp 28 Hektar Waldfläche zerstört.

Mit der gemeinsamen mobilen Löschwasserversorgung soll insbesondere außerhalb urbaner Gebiete die Versorgung der Einsatzkräfte mit Löschwasser sichergestellt werden. Das kreisweite Konzept sieht vor, bei größeren Ereignissen spätestens 60 Minuten nach der Alarmierung mindestens 1.000 Liter Löschwasser pro Minute bereitstellen zu können. Darüber hinaus kann das System nach entsprechender Desinfektion zur Trinkwassernotversorgung eingesetzt werden. Hierfür steht ein Transportvolumen von insgesamt 80.000 Litern zur Verfügung.

An der Kooperation beteiligen sich neben dem Landkreis Marburg-Biedenkopf die Städte und Gemeinden Amöneburg, Angelburg, Bad Endbach, Biedenkopf, Breidenbach, Cölbe, Dautphetal, Ebsdorfergrund, Fronhausen, Gladenbach, Kirchhain, Lahntal, Lohra, Marburg, Münchhausen, Neustadt, Rauschenberg, Stadtallendorf, Steffenberg, Weimar (Lahn), Wetter und Wohratal.

Interkommunale Zusammenarbeit schafft Synergien

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf und seine Kommunen setzen bereits in verschiedenen Aufgabenbereichen auf kreisweite Zusammenarbeit. Kooperationen bestehen unter anderem bei der Breitbandversorgung, bei Gesundheits- und Pflegestützpunkten, in der Cybersicherheit, bei der Antidiskriminierungsstelle sowie in der Gewerbeüberwachung.

Auch hessenweit gewinnt die Zusammenarbeit zwischen Landkreisen und ihren kreisangehörigen Kommunen weiter an Bedeutung. Mehr als 70 Kooperationen unter Federführung von Landkreisen wurden bereits gefördert. Schwerpunkte liegen unter anderem in den Bereichen Breitbandversorgung, Geodateninfrastruktur, Vergabe- und Feuerwehrwesen sowie Informationssicherheit.

Das Land Hessen unterstützt kommunale Kooperationen im Rahmen der „Rahmenvereinbarung zur Förderung der Interkommunalen Zusammenarbeit“. Seit Bestehen des Förderprogramms wurden insgesamt 586 Bewilligungen mit einem Fördervolumen von rund 41,5 Millionen Euro ausgesprochen. Dabei wurden 2.724 kommunale Beteiligungen gezählt, wobei Kommunen mit mehreren IKZ-Projekten mehrfach berücksichtigt werden. Statistisch ist damit jede der 442 hessischen Kommunen – 421 Städte und Gemeinden sowie 21 Landkreise – an durchschnittlich 6,2 IKZ-Projekten beteiligt. Die Landesregierung will die Interkommunale Zusammenarbeit auch künftig durch Beratung und finanzielle Förderung unterstützen und Städte, Gemeinden und Landkreise darin bestärken, Aufgaben freiwillig gemeinsam zu organisieren.

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