Eine Gruppe von Personen in Uniformen und Anzügen steht für ein Gruppenfoto vor einem lila Zelt in einer Fahrzeughalle.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Innenminister Poseck besucht neue Regieeinheit der Psychosozialen Notfallversorgung

Roman Poseck: „Mit der neuen Regieeinheit für Psychosoziale Notfallversorgung stärken wir die Resilienz unseres Landes an einer besonders wichtigen Stelle.“

Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) wird in Hessen systematisch und flächendeckend in den Katastrophenschutz integriert. Innenminister Roman Poseck hat sich im Rahmen der Resilienzwoche 2026 bei einem Besuch der neu aufgestellten Regieeinheit PSNV des Main-Taunus-Kreises über die neuen Strukturen, die Ausbildung der Einsatzkräfte und die praktische Umsetzung des Sonderschutzplans PSNV informiert.

Innenminister Roman Poseck betonte vor Ort: „Nach einer Katastrophe oder einem schweren Unglück brauchen Betroffene nicht nur schnelle medizinische und technische Hilfe, sondern auch Unterstützung dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Mit der Psychosozialen Notfallversorgung schaffen wir dafür verlässliche Strukturen und machen die psychische Gesundheit zu einem festen Bestandteil unseres Katastrophenschutzes. Sie ist damit ein zentraler Baustein einer wehrhaften, resilienten Gesellschaft, die auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt.

Gezielte Weiterentwicklung der Psychosozialen Notfallversorgung

Hessen hat die Psychosoziale Notfallversorgung in den vergangenen Jahren gezielt weiterentwickelt und damit gezielt in seine Krisenvorsorge investiert. Mit der Hessischen Landeszentralstelle PSNV und dem Hessischen Fachbeirat haben wir Strukturen geschaffen, die die zahlreichen Akteure im Land stärker zusammenführen und fachliche Standards ausbauen. Mit dem in diesem Jahr veröffentlichten Sonderschutzplan PSNV gehen wir nun den nächsten Schritt. Er gibt der psychosozialen Notfallversorgung im hessischen Katastrophenschutz einen verbindlichen organisatorischen Rahmen und klare Vorgaben für Qualifikation, Führung, Ausstattung und Einsatz. Damit schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Menschen auch bei größeren Schadenslagen schnell und verlässlich psychosoziale Unterstützung erhalten und unsere Gesellschaft insgesamt widerstandsfähiger wird.

Dabei können wir auf viel Erfahrung und großes Engagement in Hessen bauen. Die Notfallseelsorge und die Krisenintervention leisten seit Jahrzehnten wertvolle Arbeit. Diese gewachsenen Strukturen wollen wir nicht ersetzen, sondern noch besser in den Katastrophenschutz einbinden, um unsere Vorsorge für den Ernstfall weiter zu stärken. Die Regieeinheit PSNV im Main-Taunus-Kreis ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Hier bringen erfahrene Einsatzkräfte ihre langjährige Arbeit aus der Notfallseelsorge in eine neue Struktur des staatlichen Katastrophenschutzes ein. So werden vorhandenes Fachwissen und Einsatzorganisation direkt zusammengeführt und tragen so zu einer krisenfesten Struktur bei.

Die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und den weiteren Partnern ist für diesen Weg von großer Bedeutung. Bevölkerungsschutz kann nur funktionieren, wenn Kräfte gebündelt und vorhandene Erfahrungen zusammengebracht werden. Staat, Kommunen, Hilfsorganisationen, Kirchen und Ehrenamtliche übernehmen dabei jeweils wichtige Aufgaben. Die neue PSNV-Struktur zeigt sehr deutlich, was möglich ist, wenn diese Partner eng zusammenarbeiten und gemeinsam an einer krisenfesten Gesellschaft arbeiten.

Nicht zu vergessen ist auch, dass die psychosoziale Notfallversorgung bei einer Katastrophe in der Lage sein muss, nicht nur einzelne Betroffene zu unterstützen, sondern auch größere Gruppen schnell zu erfassen, besondere Belastungen zu erkennen und gezielt Hilfe zu organisieren. Dafür brauchen die Einsatzkräfte neben ihrer psychosozialen Fachkompetenz auch ein Verständnis für die Abläufe und Anforderungen des Katastrophenschutzes. Genau diese Verbindung wird mit den neuen Standards sowie den entsprechenden Ausbildungen und Übungen geschaffen und macht unsere Krisenvorsorge insgesamt tragfähiger.

Mein besonderer Dank gilt den Einsatzkräften und Führungskräften der Regieeinheit PSNV im Main-Taunus-Kreis. Sie übernehmen diese Aufgabe ehrenamtlich, investieren ihre Freizeit, bilden sich weiter und bereiten sich auf Einsätze vor, die für die betroffenen Menschen oft zu den schwersten Erfahrungen ihres Lebens gehören. Das verdient unsere Anerkennung und unseren Respekt. Die Arbeit der PSNV ist vielleicht weniger sichtbar als die eines Löschfahrzeugs oder eines Rettungswagens. Für die Menschen, die ihre Hilfe brauchen, ist sie aber genauso wichtig. Mit der neuen Regieeinheit stärken wir deshalb unseren Katastrophenschutz und die Resilienz unseres Landes und sorgen dafür, dass wir auch die psychischen Folgen eines schweren Ereignisses nicht aus dem Blick verlieren.“

Kreisbeigeordneter Axel Fink als Katastrophenschutzdezernent ergänzte: „Gerade in einer Krise zählt, dass Hilfe nicht irgendwo organisiert wird, sondern am Ort schnell greift und die Menschen sowie die Strukturen im Kreis kennt. Dass wir im Main-Taunus-Kreis dabei auf Ehrenamtliche bauen können, die Verantwortung übernehmen und auch in belastenden Situationen verlässlich für andere da sind, ist ein großer Gewinn für unseren Kreis.“

Hintergrund zur Psychosozialen Notfallversorgung

Die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) unterstützt Menschen nach besonders belastenden Ereignissen und umfasst sowohl die Akuthilfe für Betroffene als auch Maßnahmen für die weitere psychische Verarbeitung. In Hessen haben sich seit den 1990er Jahren zahlreiche Notfallseelsorge- und Kriseninterventionsteams entwickelt. Mit der Einrichtung der Hessischen Landeszentralstelle PSNV im Jahr 2023 und des Hessischen Fachbeirats PSNV im Jahr 2024 wurden die bislang dezentral gewachsenen Strukturen stärker vernetzt und fachlich weiterentwickelt. Der am 21. Mai 2026 veröffentlichte Sonderschutzplan PSNV integriert die PSNV-B, also die psychosoziale Notfallversorgung für betroffene Mitglieder der Allgemeinbevölkerung, verbindlich in den hessischen Katastrophenschutz. Vorgesehen ist künftig in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt eine Staffel PSNV-B mit sechs Einsatzkräften. Die Einheiten werden einheitlich qualifiziert, ausgestattet und in die Führungsstrukturen des Katastrophenschutzes eingebunden. Die vollständige Umsetzung des Sonderschutzplans ist bis zum 31. Dezember 2028 vorgesehen. Das Land unterstützt den Aufbau unter anderem mit finanziellen Mitteln für persönliche Schutzausrüstung, Einsatzausstattung sowie Aus- und Fortbildung. Eine besondere Rolle spielen dabei Regieeinheiten, die von den unteren Katastrophenschutzbehörden gebildet werden können. Sie ermöglichen insbesondere die Einbindung der kirchlichen PSNV-Strukturen in den staatlichen Katastrophenschutz. Nach der Veröffentlichung des Sonderschutzplans wurden entsprechende Regieeinheiten bereits im Wetteraukreis und im Main-Taunus-Kreis genehmigt. Die Regieeinheit des Main-Taunus-Kreises verbindet damit die langjährige Erfahrung der dort tätigen Notfallseelsorge mit den verbindlichen Strukturen des Katastrophenschutzes.

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