Seit der Indienststellung des Schiffes am 21. April 2006 besteht offiziell eine tief verbundene Partnerschaft zwischen dem Bundesland und der gleichnamigen Fregatte. Sie gilt in der deutschen Marine als ein Musterbeispiel für die lebendige Verankerung der Streitkräfte in der zivilen Gesellschaft. Die HESSEN agiert weltweit als schwimmender Botschafter Hessens auf den Weltmeeren. Der Anker wird vor dem Regierungspräsidium einen dauerhaft sichtbaren Platz in Kassel einnehmen.
In seiner Rede zur feierlichen Übergabe des Ankers betonte Innenminister Roman Poseck den hohen Stellenwert der Demokratie: „Vor 80 Jahren trat in Hessen die erste Landesverfassung der Nachkriegszeit noch vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Ein klares Bekenntnis zur Demokratie, das als Lehre aus den Zäsuren der zerstörerischen NS-Diktatur hervor ging. Heute – 80 Jahre später – blicken wir mit Stolz auf diese Geschichte zurück, aber auch mit Sorge in die Zukunft. Die Zeiten sind wieder angespannter. Unsere innere Sicherheit ist akut durch hybride Bedrohungen, Sabotage, Spionage und radikale Kräfte gefährdet. Umso wichtiger ist es, sich auf Partner verlassen zu können.
Verlässlicher Partner
Die Besatzung der Fregatte HESSEN ist ein solcher verlässlicher Partner. Seit ihrer Indienststellung vor gut 20 Jahren ist das Schiff Botschafter unseres Landes auf den Weltmeeren. Gleichzeitig steht die HESSEN für eine lebendige Patenschaft zwischen Hessen, der Marine und der Gesellschaft. Das erinnert uns gerade im 80sten Jubiläumsjahr unseres Landes daran, dass Freiheit und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeit sind. Es braucht Menschen, die im Alltag, in unseren Institutionen und auch im Dienst für unser Land Verantwortung übernehmen.
Der Anker, den wir heute dankbar als Zeichen tiefer Verbundenheit von der Marine der Bundeswehr entgegennehmen, steht nicht nur sinnbildlich für eine wehrhafte Demokratie. Im aktiven Dienst umrundete er an Bord der HESSEN rechnerisch schon über 20-mal die Erde. In dieser Zeit schützte die Fregatte Handelsverbände, begleitete Militärmanöver gegen terroristische Regime und half dort, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wurde. In Zeiten großer humanitärer Krisen beteiligte sich die HESSEN auch an Rettungseinsätzen bei schiffsbrüchigen Migranten, die vor Krieg und Vertreibung flüchten mussten.
Die Leistungsfähigkeit der Marinebesatzung verdient meine höchste Anerkennung. Den Soldatinnen und Soldaten der HESSEN danke ich ganz ausdrücklich für ihren unverzichtbaren Dienst an der Verteidigung der Demokratie, für ihren Mut und dafür, dass sie die Werte unseres Bundeslandes würdevoll überall auf der Welt repräsentieren. Für die Zukunft wünsche ich der Besatzung, dass sie von all ihren Einsätzen gesund und wohl behalten zurückkehren.“
Eine besondere Partnerschaft aus Tradition und Verbundenheit
Die Fregatte trägt den Namen des Bundeslands und fungiert damit auf See als sichtbare Repräsentantin Hessens. Umgekehrt übernimmt Hessen die Rolle des Patenlands für Schiff und Besatzung. Die Patenschaft ist nicht nur symbolischer Natur, sondern wird durch wiederkehrende Besuche, Empfänge, Gespräche und gemeinsame Veranstaltungen gepflegt. Organisiert werden die Partnerschaftsbesuche regelmäßig auf Einladung der Hessischen Staatskanzlei.
Die zentrale Idee dahinter ist die gesellschaftliche Verankerung der Bundeswehr – und im Speziellen der Marine – in einem Binnenland ohne eigene Küste. Diese Landgänge mach sichtbar, wer hinter dem Namen „HESSEN“ steht: die Soldatinnen und Soldaten der Besatzung, ihre Aufgaben, ihr Dienst und ihre Einsätze. Zu den Stationen der übelicherweise einwöchigen Reisen durchs Bundesland gehörten bereits Städte wie Wiesbaden, Frankfurt am Main, Fulda oder Bad Homburg. Der Besuch und die Ankerübergabe in Kassel zum 80sten Geburtstages des Bundeslandes stellt dabei einen ganz besonderen Termin dar, bei dem diese Tradition gebührend gewürdigt wird.
Regierungspräsident Mark Weinmeister bezeichnete die jährlichen Besuche ausdrücklich als Gelegenheit, Kontakte zwischen Marine und Bevölkerung zu pflegen und zu vertiefen: „Als Regierungspräsidium verbindet uns eine lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in vielen Fragen der öffentlichen Sicherheit und Katastrophenvorsorge. Neben dem guten Austausch mit dem regionalen Bezirksverbindungskommando sind auch die jährlichen Besuche einer Delegation der Fregatte ,Hessen‘ feste und wichtige Termine im Jahreskalender. Von dem Austausch profitieren beide Seiten. Mich freut es sehr, dass wir mit dem Anker vor unserem Hauptgebäude dieser engen Verbindung auch ein sichtbares Zeichen an die Öffentlichkeit setzen, dass Verwaltung und Militär sich gemeinschaftlich für Sicherheit und Zusammenhalt in Deutschland und Europa engagieren. Mein großer Dank gilt der Hessischen Staatskanzlei, dem Hessischen Innenministerium und der Bundeswehr, dass das Regierungspräsidium als dauerhafter Standort für den Anker ausgewählt wurde und hier nun jedem Besucher und jeder Besucherin einen ,Gruß von Bord‘ überbringt.“
Hintergrund
Die Fregatte HESSEN (F 221) ist die jüngste von drei Fregatten der Sachsen-Klasse der Bundeswehr. Sie wurde am 21. April 2006 in den Dienst gestellt.
Die Fregatten der Sachen-Klasse sind als Mehrzweckschiffe für Geleitschutz und Seeraumkontrolle konzipiert. Ihr Schwerpunkt ist die Luftverteidigung: Mit ihrem SMART-L-Radar kann eine einzige Einheit der Sachsen-Klasse zum Beispiel den Luftraum über der gesamten Nordsee überwachen. Das Radar der Sachsen-Klasse ist in der Lage, mehr als 1.000 Ziele gleichzeitig zu erfassen. Kommt es darauf an, reichen die Flugabwehrraketen vom Typ SM2 aus dem Senkrecht-Startsystem VLS Mk41 der Sachsen-Klasse über 160 Kilometer weit.
Alle Sensoren und Waffen an Bord sind für diese Hauptaufgabe Verbandsflugabwehr optimiert. Das Computer-Herzstück der Sachsen-Klasse dafür ist das Führungs- und Waffeneinsatzsystem (FüWES) mit einer starken Rechenleistung: Es verarbeitet alle Daten von den Radaren und übrigen Sensoren sowie die Informationen, die verbündete Schiffen liefern. Das System ist redundant auf mehr als einem Dutzend Rechner an Bord verteilt. Mit diesen Fähigkeiten waren die Fregatten der Klasse 124 schon mehrmals im Nordatlantik in Flugzeugträger-Kampfgruppen der US Navy integriert.
Die Sachsen-Klasse ist dank ihrer guten Kommunikationsanlage mit Funk- und Satellitenverbindungen auch in der Lage, mehrere andere Kriegsschiffe gleichzeitig zu führen. Die Bordhubschrauber der Sachsen-Klasse dienen der weitreichenden Jagd auf U-Boote.
Die drei Fregatten der Sachsen-Klasse sind die personal-intensivsten der Flotte: 236 Soldaten und Soldatinnen stark ist die Stammbesatzung. Sind Hubschrauber an Bord, kommen noch einmal 18 Marineflieger hinzu.