Kritische Infrastruktur schützen, großflächige Schadenslagen schnell erfassen und auch dort handlungsfähig bleiben, wo Verkehrswege oder andere Infrastrukturen beeinträchtigt sind: Hessens Innenminister Roman Poseck hat im Rahmen der Resilienzwoche an einem Streifenflug der hessischen Polizeifliegerstaffel teilgenommen und sich aus der Luft ein Bild von ausgewählten Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur sowie den Folgen der extremen Trockenheit dieses Sommers gemacht.
Der Flug im Rhein-Main-Gebiet diente der Demonstration luftgestützter Objektschutzmaßnahmen an ausgewählten KRITIS-Einrichtungen. Die Flugroute führte unter anderem über den Flughafen Frankfurt sowie entlang von Main und Rhein. Dabei wurden auch die Auswirkungen der diesjährigen Dürrephase sichtbar, etwa durch Niedrigwasser und Sandbänke. Die anhaltende Trockenheit hatte in diesem Sommer zudem zu einer erhöhten Wald- und Vegetationsbrandgefahr geführt.
Innenminister Roman Poseck erklärte im Anschluss: „Unsere Sicherheitslage stellt uns vor vielfältige Herausforderungen. Naturkatastrophen, Extremwetter, Cyberangriffe und hybride Bedrohungen gefährden unsere Kritische Infrastruktur. Mit unserer Resilienzwoche wollen wir zeigen, wie wichtig eine gute Vorbereitung auf solche Krisen ist.
Zentraler Baustein staatlicher Handlungsfähigkeit
Polizeihubschrauber sind dabei ein zentraler Baustein staatlicher Handlungsfähigkeit. Sie überblicken in kürzester Zeit große Gebiete, liefern Lagebilder, überwachen Kritische Infrastruktur, unterstützen Einsatzkräfte und transportieren Menschen sowie Material. Ihr größter Vorteil ist die weitgehende Unabhängigkeit von der Infrastruktur am Boden. Wo Straßen und Brücken nicht mehr passierbar sind, bleibt der Weg aus der Luft offen. Unsere Polizeihubschrauber sind deshalb weit mehr als Transportmittel, sie sind fliegende Aufklärungs-, Einsatz- und Rettungsplattformen.
Wie wichtig das ist, zeigte sich bei der Flutkatastrophe im Ahrtal. Unsere Polizeifliegerstaffel war mit allen drei hessischen Polizeihubschraubern im Einsatz und rettete allein in den ersten 24 Stunden mehr als 200 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen. Insgesamt wurden 306 Menschen aus akuten Notlagen befreit, gemeinsam mit der Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Wiesbaden und der Bergwacht Hessen.
Auch der trockene Sommer in diesem Jahr hat den Wert unserer Polizeihubschrauber erneut unterstrichen. Zwischen dem 1. und 12. August wurden in Hessen 21 Wald- und Vegetationsbrände registriert, bei mehreren größeren Bränden kamen Hubschrauber zum Einsatz. Seit Beginn unserer Kooperation zur luftgestützten Waldbrandbekämpfung wurden hessenweit bereits mehr als 1.800 Löschwasserabwürfe durchgeführt.
Schutz Kritischer Infrastruktur gewinnt an Bedeutung
Angesichts der geopolitischen Lage gewinnt auch der Schutz Kritischer Infrastruktur an Bedeutung. Polizeihubschrauber überwachen Anlagen und Verkehrswege aus der Luft, erkennen Auffälligkeiten schnell und führen Einsatzkräfte gezielt. Das erhöht unsere Reaktionsfähigkeit deutlich.
Deshalb modernisieren und erweitern wir unsere Polizeihubschrauberflotte. Hessen beschafft vier neue Polizeihubschrauber, die unsere drei mindestens 20 Jahre alten Maschinen ersetzen und die Flotte um einen zusätzlichen Hubschrauber erweitern. Mit moderner Missionsausstattung, leistungsfähigerer Sensorik, verbesserten Rettungsmöglichkeiten und höherer Löschwasserkapazität stärken wir gezielt die Sicherheit und Krisenfestigkeit unseres Landes.
Insgesamt investieren wir in den Katastrophenschutz 50 Millionen Euro aus dem Sondervermögen. Diese Investitionen sind unerlässlich, das sie eine Investition in die Sicherheit des Landes und in den Schutz der Bürger sind.“
Polizeifliegerstaffel rund um die Uhr einsatzbereit
Die Polizeifliegerstaffel Hessen mit Sitz in Egelsbach verfügt derzeit über drei Polizeihubschrauber vom Typ EC145. Die Maschinen werden unter anderem für Fahndungs- und Sucheinsätze, die Unterstützung von Spezialeinheiten, Rettungseinsätze sowie die Brandbekämpfung eingesetzt. Die Polizeifliegerstaffel hält ganzjährig rund um die Uhr mindestens einen einsatzfähigen Hubschrauber vor.
Für Rettungs- und Hilfeleistungseinsätze können die Hubschrauber mit einer Rettungswinde ausgestattet werden. Moderne optoelektronische Systeme ermöglichen es zudem, große Gebiete aus der Luft zu erfassen und Informationen für die Einsatzführung bereitzustellen.
Luftunterstützung bei Wald- und Vegetationsbränden
Die Unterstützung hessischer Feuerwehren bei der Waldbrandbekämpfung aus der Luft basiert auf einer Kooperation zwischen dem Land Hessen sowie der Polizeifliegerstaffel Hessen und der Bundespolizeifliegerstaffel Fuldatal. Die Hubschrauber können mit sogenannten Bambi-Buckets zur Aufnahme und zum Abwurf von Löschwasser ausgestattet werden. Bei der hessischen Polizeifliegerstaffel stehen hierfür drei Hubschrauber zur Verfügung; ergänzend können zwei Maschinen der Bundespolizei angefordert werden. Die landeseigenen Außenlastbehälter fassen je nach Typ 795 beziehungsweise 1.960 Liter Wasser.
Ergänzend stehen vier Abrollbehälter Waldbrandbekämpfung an den Standorten Darmstadt, Lauterbach, Wolfhagen und Wetzlar zur Verfügung. Sie enthalten Material für die boden- und luftgestützte Brandbekämpfung, darunter Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen von 15.000 beziehungsweise 35.000 Litern zur Befüllung der Außenlastbehälter.
Vier neue Polizeihubschrauber für Hessen
Hessen und Thüringen haben im März 2026 eine Kooperation zur gemeinsamen Beschaffung von insgesamt sechs neuen Polizeihubschraubern vereinbart. Vier Maschinen sind für Hessen und zwei für Thüringen vorgesehen. Die Investitionssumme einschließlich der Missionsausstattung liegt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.
Die vier neuen Maschinen werden die derzeit drei in Hessen eingesetzten Hubschrauber ersetzen und die hessische Flotte zugleich erweitern. Vorgesehen sind unter anderem leistungsfähigere optoelektronische Sensorik, eine vollständig digital integrierte Missionsausstattung, eine Rettungswinde sowie verbesserte Fähigkeiten für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung. Die Auslieferung der ersten Maschinen ist nach derzeitiger Planung ab 2029 vorgesehen.