Innenminister Roman Poseck hat heute dem Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Sandro Zehner, in Anwesenheit des Stadtrats der Landeshauptstadt Wiesbaden, Andreas Kowol, einen Förderbescheid in Höhe von 75.000 Euro für die gemeinsame Errichtung und den Betrieb einer Bioabfallvergärungsanlage überreicht. Mit dem Förderbescheid unterstützt das Land Hessen die Kooperation zwischen dem Rheingau-Taunus-Kreis, der Landeshauptstadt Wiesbaden, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis im Bereich der Abfallwirtschaft. Im Mittelpunkt steht die Errichtung einer Bioabfallvergärungsanlage am Standort Dyckerhoffbruch in Wiesbaden, die planmäßig zum 1. Januar 2029 in Betrieb gehen soll.
Innenminister Roman Poseck betonte: „Kommunen, die sich entschließen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und Herausforderungen nicht alleine anzugehen, zeigen damit echte Stärke und Weitsicht. Das vorliegende Projekt ist in seiner Art in Hessen einmalig. Vier große Gebietskörperschaften schaffen länderübergreifend gemeinsam die Grundlage für eine moderne Kreislaufwirtschaft, die Abfallverwertung mit Energieerzeugung verbindet und die Gärreste in der regionalen Landwirtschaft nutzbar macht.
Einsparung von rund 422.000 Euro jährlich
Am 19. Februar 2025 haben der Rheingau-Taunus-Kreis und die Landeshauptstadt Wiesbaden die B2P Bio2Power GmbH mit Sitz in Wiesbaden gegründet. An der Gesellschaft sind beide Partner zu jeweils 50 Prozent beteiligt. Gegenstand des Unternehmens ist im Wesentlichen die Errichtung und der Betrieb der Bioabfallvergärungsanlage sowie die Gas- und Stromerzeugung zur Einspeisung in das regionale Versorgungsnetz. Um die Anlage wirtschaftlich optimal auszulasten, werden dort auch die Bioabfälle der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Rhein-Lahn-Kreises verwertet. Hierfür wurden zwischen den beteiligten Kommunen entsprechende Vereinbarungen geschlossen.
Insgesamt ermöglicht diese länderübergreifende Kooperation die Verwertung von Bioabfall für ein Einzugsgebiet von rund 800.000 Einwohnern. Das jährliche Aufkommen an Bioabfällen in der Anlage soll rund 60.000 Tonnen betragen. Erst diese hohen Durchsatzmengen machen einen wirtschaftlichen Betrieb möglich und kommen damit unmittelbar den Bürgern zugute.
Durch die Bündelung von Ressourcen und die gemeinsame Nutzung der Anlage können voraussichtlich jährlich rund 422.000 Euro eingespart werden. Das entspricht einem Effizienzgewinn von 24,2 Prozent. Hinzu entfallen für jede der beteiligten Kommunen die erheblichen Baukosten, die bei der Errichtung einer eigenen singulären Anlage angefallen wären.
Ich danke den Vertretern aller beteiligten Kommunen ausdrücklich für ihr Engagement und ihre Entschlossenheit, dieses ambitionierte Projekt gemeinsam auf den Weg zu bringen. Sie haben damit richtungsweisende Entscheidungen für die Zukunftsfähigkeit ihrer Region getroffen.“
Förderprogramm Interkommunale Zusammenarbeit
Die Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) in Hessen ist eine Erfolgsgeschichte: Im Jahr 2004 wurde die erste „Rahmenvereinbarung zur Förderung der Interkommunalen Zusammenarbeit“ in enger Abstimmung mit den Kommunalen Spitzenverbänden ins Leben gerufen. Die Hessische Landesregierung hat das Förderprogramm seitdem deutlich ausgebaut. Die Zahl der Aufgabenbereiche und der Kreis der Antragsteller wurden mit jeder neuen Auflage erweitert. Heute sind nahezu alle Aufgabenbereiche von der IKZ-Förderrichtlinie umfasst, und alle Kommunen können Förderanträge stellen. Neuerung in der fünften und aktuell gültigen Auflage der Rahmenvereinbarung von 2021 ist eine stärkere Förderung kreisweiter Kooperationen mit Landkreisen. Außerdem wurde der Katalog förderungsfähiger Aufgaben um „Präventionsmaßnahmen zur inneren Sicherheit“ und „wichtige Zukunftsaufgaben“ erweitert.
Das IKZ-Förderprogramm überzeugt durch Praxisnähe, einfache Antragstellung und hohe Wirksamkeit: Seit 2008 wurden 577 Projekte mit einer Fördersumme von insgesamt über 40,5 Millionen Euro bewilligt, an denen 2.690 Kommunen beteiligt waren (Mehrfachzählung bei mehreren Projekten pro Kommune). Statistisch gesehen ist jede der 442 hessischen Kommunen (421 Gemeinden und 21 Kreise) an 6,08 IKZ-Projekten beteiligt.