Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Kommunalminister zeichnet Idstein-Kröftel mit Freiherr-vom-Stein-Urkunde aus

Roman Poseck: „800 Jahre Kröftel sind ein beeindruckendes Zeugnis für Geschichte, Gemeinsinn und gelebte Verantwortung.“

Innenminister Roman Poseck hat die Hochschulstadt Idstein anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Stadtteils Kröftel mit der Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde für kommunale Verdienste ausgezeichnet. Anlass für das Jubiläum ist die erste konkrete urkundliche Erwähnung Kröftels im Jahr 1226 unter der Bezeichnung „Cruftelo“. In einer Urkunde verpfändete Gottfried II. von Eppstein Einkünfte aus Cruftelo an Konrad von Hattstein. Bereits im Jahr 890 findet sich in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda die Bezeichnung „in marcu Cruftero“, die sich vermutlich auf die Gegend um den Kröftelbach bezog. Die Geschichte des heutigen Idsteiner Stadtteils reicht damit noch deutlich weiter zurück. Kröftel ist heute ein Stadtteil der Hochschulstadt Idstein und hat sich trotz der Einbindung in die Stadt seine eigene Identität, seine Geschichte und seinen ausgeprägten Gemeinschaftssinn bewahrt. Im Zuge der hessischen Gebietsreform schloss sich die bis dahin selbstständige Gemeinde Kröftel zum 31. Dezember 1971 freiwillig der Stadt Idstein an. Seitdem trägt Kröftel als lebendiger Stadtteil zur Vielseitigkeit der Hochschulstadt bei.

800 Jahre Kröftel 

Innenminister Roman Poseck würdigte vor Ort insbesondere den Gemeinsinn der Bürger: „800 Jahre Kröftel sind ein außergewöhnliches Jubiläum und zugleich ein Anlass, mit Stolz auf die eigene Geschichte und mit Zuversicht auf die Zukunft zu blicken. Seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1226 hat sich Kröftel immer wieder verändert. Herrschaftswechsel, gesellschaftliche Veränderungen und schließlich die Eingliederung in die Stadt Idstein haben den Ort geprägt. Was über all diese Veränderungen hinweg geblieben ist, ist die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat.

Ein solcher Zusammenhalt entsteht nicht von selbst. Er lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, sich einbringen und füreinander da sind. Gerade in Kröftel ist dieses Engagement bis heute deutlich spürbar. In den Vereinen, bei traditionellen Veranstaltungen und bei der gemeinsamen Pflege der Ortsgeschichte wird sichtbar, wie lebendig die Gemeinschaft ist. Dass Bürger Erinnerungen, Fotos und Dokumente zusammentragen, um die Geschichte ihres Ortes für kommende Generationen zu bewahren, ist dafür ein besonders schönes Beispiel.

Solches Engagement ist der Kern einer starken kommunalen Selbstverwaltung. Denn Demokratie findet nicht nur in Parlamenten statt, sondern ganz unmittelbar vor Ort, dort, wo Menschen gemeinsam ihr Lebensumfeld gestalten. Freiherr vom Stein hat diesen Gedanken bereits vor mehr als 200 Jahren mit seiner Forderung nach der ‚Belebung des Gemeingeistes und Bürgersinnes‘ zum Ausdruck gebracht. Dieser Bürgersinn ist auch heute unverzichtbar.

Mit der Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde würdigen wir deshalb nicht allein die 800-jährige Geschichte Kröftels. Wir würdigen vor allem die Menschen, die diesen Ort über Generationen hinweg geprägt haben und die sich auch heute dafür einsetzen, dass Kröftel ein lebendiger und lebenswerter Teil der Hochschulstadt Idstein bleibt. Im Namen der Hessischen Landesregierung gratuliere ich allen Bürgerinnen und Bürgern sehr herzlich zu diesem besonderen Jubiläum und wünsche Kröftel für die Zukunft weiterhin einen starken Zusammenhalt, viel Engagement und eine erfolgreiche Entwicklung.“

Hintergrund: Freiherr-vom-Stein-Ehrungen

Als preußischer Staatsminister wirkte Karl Freiherr vom und zum Stein (1757-1831), der aus Nassau an der Lahn stammte, auf Reformen hin, die im Jahr 1808 in die Preußische Städteordnung mündeten. Diese wegweisende Ordnung wurde zur Grundlage für die heutige kommunale Selbstverwaltung. Auf dem Wiener Kongress 1815 setzte sich Freiherr vom Stein erfolgreich für das Fortbestehen der staatlichen Selbständigkeit der Stadt Frankfurt am Main ein und wurde dort daraufhin zum Ehrenbürger ernannt. Der Hessische Landtag wählte 1952 als Kommunalverfassung bewusst die Magistratsverfassung in der Tradition der Steinschen Städteordnung von 1808.

Die Freiherr-vom-Stein-Plakette ist die höchste Auszeichnung des Landes Hessen für kommunale Verdienste. Außer der nur einmal stattfindenden Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Plakette an Gemeinden, die mindestens 750 Jahre alt sind, kann einzelnen Ortsteilen der Gemeinden aus Anlass eines entsprechenden Jubiläums die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde verliehen werden. Seit dem Jahr 1956 wird diese auch an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich auf dem Gebiet der kommunalen Selbstverwaltung besondere Verdienste erworben haben.