Fünf Personen stehen in einem Raum mit Bücherregalen und halten eine Urkunde hoch.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Land fördert Projekt „Wahrheiten und Narrheiten“ des Jüdischen Museums Frankfurt

Das Land Hessen setzt ein klares Zeichen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt. In diesem Sinne hat Innenminister Roman Poseck heute einen Förderbescheid in Höhe von 200.000 Euro an das Jüdische Museum Frankfurt für das Projekt „Wahrheiten und Narrheiten“ überreicht.

Die Förderung erfolgt im Rahmen der dritten Förderperiode (2025–2029) des Landesprogramms „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“. Im Zuge der Bescheidübergabe würdigte Innenminister Poseck das Engagement der Projektverantwortlichen und Mitwirkenden. Sein besonderer Dank galt dem pädagogischen Team sowie Prof. Dr. Mirjam Wenzel und Arwin Mahdavi Naraghi für ihre herausragende Arbeit in der Bildungs- und Präventionsarbeit.

Innenminister Roman Poseck erklärte: „Wenn Kinder gemeinsam ein Schattentheater entwickeln, Geschichten erfinden und dabei unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, passiert etwas Entscheidendes: Sie beginnen zu verstehen. Sie erleben, dass Zuhören, Hinterfragen und Respekt der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander sind.

Polizeiliche Schutzmaßnahmen für Einrichtungen jüdischen Lebens

Genau hier beginnt das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Denn Extremismus entsteht oft dort, wo einfache Antworten auf komplexe Fragen gegeben werden und wo Unterschiede nicht mehr respektiert werden. Dem setzen wir bewusst etwas entgegen: Bildung, Begegnung und die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu lösen.

Jüdisches Lebens hat für die Hessische Landesregierung eine herausragende Bedeutung. Hessen hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die Schutzmaßnahmen für jüdische Bürger zu erhöhen. Die polizeilichen Schutzmaßnahmen für Einrichtungen jüdischen Lebens, zum Beispiel von Synagogen, Gemeindezentren, Schulen oder Kindergärten, sind in Hessen immer wieder erhöht worden und befinden sich dauerhaft auf einem hohen Niveau. Außerdem wird die Westendsynagoge seit Februar 2025 mit einer Videoschutzanlage geschützt, um potenzielle Gefahren noch besser zu erkennen. Die rechtliche Grundlage haben wir dazu im neuen Polizeirecht geschaffen.

Gleichzeitig gilt: Sicherheit entsteht nicht allein durch Schutzmaßnahmen, sondern durch Haltung. Das Projekt ‚Wahrheiten und Narrheiten‘ zeigt, wie das gelingen kann. Kinder entdecken hier selbst, lernen Perspektivwechsel und entwickeln Lösungen für Konflikte. Das sind Fähigkeiten, die weit über den Moment hinaus wirken.

Pädagogische Formate wie Schattentheaterworkshops

Konflikte gehören zu einer offenen Gesellschaft. Entscheidend ist, dass wir sie gewaltfrei, respektvoll und im Sinne unserer gemeinsamen Werte lösen. Wenn wir Unterschiede respektieren und gemeinsam Lösungen finden, stärken wir den Zusammenhalt und machen unsere Demokratie widerstandsfähig. Projekte wie dieses sind deshalb ein zentraler Baustein unserer Präventionsarbeit. Ich freue mich daher sehr, heute den Förderbescheid überreichen zu können.“

Das Projekt „Wahrheiten und Narrheiten“ wird bereits seit 2018 im Rahmen des Landesprogramms gefördert und kontinuierlich weiterentwickelt. Im Zentrum stehen pädagogische Formate wie Schattentheaterworkshops, die auf dem Prinzip der Selbsterfahrbarkeit basieren. Kinder werden spielerisch dazu angeregt, Wissen über Religionen und unterschiedliche Glaubenswelten zu erwerben, interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln und eigene Lösungsansätze für Konflikte zu erarbeiten. Ziel ist es, einseitigen und dogmatischen Haltungen entgegenzuwirken und demokratische Konfliktbewältigungsmuster nachhaltig zu stärken. Das Jüdische Museum Frankfurt, gegründet 1988, ist ein zentraler Ort der kulturellen Bildung und Begegnung. Mit seinen Ausstellungen, Bildungsangeboten und innovativen Vermittlungsformaten macht es die Vielfalt jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart erfahrbar und zeigt, wie Demokratie konkret gelebt werden kann.

Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“

Die Hessische Landesregierung hat im Jahr 2015 das Landesprogramm „Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“ etabliert. Zum 1. Juli 2025 startete die bereits dritte Förderperiode. In dieser werden bis Ende 2029 über 100 Projekte und Maßnahmen in den Bereichen Demokratieförderung, politische Bildung, Antisemitismusprävention sowie Beratungsangebote für Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus gefördert. Im Jahr 2025 stehen dafür rund 11 Millionen Euro, 8,8 Millionen Euro Landesmittel und 2,2 Millionen Euro weitergeleitete Bundesmittel, zur Verfügung.