Ihr vielbeachtetes gleichnamiges Sachbuch war im November 2025 im Rahmen der Vergabe des Hessischen Preises „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ mit dem dritten Platz ausgezeichnet worden. Neben der Stadt Lich und der Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen (IDRH) war auch der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Andreas Hofmeister MdL, einer der Kooperationspartner der Veranstaltung. Einleitend erinnerte der Landesbeauftragte, der bereits in der Vergangenheit mehrfach an Lesungen mit Ira Peter teilgenommen hatte, an die in diesem Jahr begangene 85. Wiederkehr des berüchtigten Deportationserlasses des sowjetischen Diktators Josef Stalin, der zur Deportation der deutschen Minderheit in der UdSSR nach Zentralasien geführt hatte. „Ihre Geschichte ging danach aber weiter“ und habe schließlich zur Aussiedlung nach Deutschland geführt, erklärte Andreas Hofmeister. Das Ankommen hier sei allerdings nicht immer einfach, sondern mitunter auch von Skepsis und Vorurteilen begleitet gewesen. „Das Land Hessen bekennt sich jedoch zu seiner Verantwortung gegenüber den Spätaussiedlern. Sie sind Deutsche mit allen Rechten und Pflichten und daher steht die Landesregierung fest an ihrer Seite, um sie in jeder Hinsicht zu unterstützen“, bekräftigte Hofmeister.
Persönliche Perspektive verdeutlicht die bewegende Geschichte der Deutschen in Russland
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Julien Neubert sprach Ira Peter über die Geschichte der deutschen Minderheit in den Staaten der früheren Sowjetunion. Während sie einen Bogen von dem Einladungsmanifest der Zarin Katharina der Großen über das Leiden der deutschen Minderheit unter Stalin bis hin zur Aussiedlung in die Bundesrepublik ab Ende der 1980er Jahre schlug, ergänzte sie dies durch das Vorlesen ausgewählter Stellen aus ihrem Buch. Auf diese Weise verband sie die historischen Darstellungen mit den bewegenden Schilderungen zum Schicksal ihrer aus Wolhynien stammenden Familie, die bereits 1936 nach Kasachstan deportiert worden war, ehe sie Anfang der 1990er Jahre nach Deutschland übersiedelte. Hierbei berichtete sie vor allem auch von ihren eigenen Wahrnehmungen und Erlebnissen sowie der Frage nach Zugehörigkeit und der Suche nach Identität. Durch diese sehr persönliche Perspektive veranschaulichte die Autorin eindrucksvoll die mit der Aussiedlung verbundenen Hoffnungen, aber auch die damit ebenfalls einhergehenden Sorgen und Herausforderungen. Gleichzeitig verwies sie zudem auf die bemerkenswerten Eingliederungsleistungen, welche von den Spätaussiedlern erbracht wurden. Im Gegensatz zu den bis heute nachwirkenden Stereotypen sei ihre Integration erfolgreich verlaufen. Vielen sei ein beachtlicher Bildungsaufstieg gelungen. Der große Zuspruch unter den zahlreich im Licher Bürgerhaus erschienenen Teilnehmern, die vielfach in Redenbeiträgen ihre eigenen Erfahrungen als Aussiedler schilderten, zeugten davon, wie sehr dieses Thema die Betroffenen noch immer beschäftigt.
Weiterhin bestehende Herausforderungen
Im anschließenden Podiumsgespräch ging Andreas Hofmeister auf aktuelle Themenfelder aus seinem Aufgabenbereich als Landesbeauftragter ein. Hinsichtlich der derzeit bedingt durch die geopolitischen Spannungen in Osteuropa sinkenden Zahl an Aussiedlungsanträgen betonte er, dass diejenigen, die von ihrem im Bundesvertriebenengesetz begründeten Recht auf Aussiedlung Gebrauch machen möchten, auch dabei unterstützt werden müssten, dieses Recht wahrnehmen zu können. Zudem ging er auf die gemeinsame Unterbringung von Spätaussiedlern in der Gemeinschaftsunterkunft in Lich ein, welche zeige, dass dieses von der Landesregierung initiierte Konzept sehr gut funktioniere. Hofmeister dankte sowohl der HLZ als auch der IDRH und der Stadt Lich für die hervorragende Zusammenarbeit und den gelungenen Abend. „Es hat sich wieder gezeigt, dass Ira Peters Buch bewegt und wichtige Fragen stellt“, erklärte Hofmeister abschließend.