Die Gemeinschaftsunterkunft in Lich (Landkreis Gießen) richtet sich speziell an die frühzeitig beginnende Eingliederung von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern, die nach ihrer Einreise in Deutschland als deutsche Staatsbürger nach Hessen gekommen sind und noch keinen Wohnraum gefunden haben.
Positive Bilanz nach dem ersten Projektjahr
Innenminister Roman Poseck hat sich im Juli 2025 persönlich von dem seit März 2025 laufenden Projekt überzeugt und zieht heute nach einem Jahr seit seinem Besuch eine erste Zwischenbilanz:
„Nach einem Jahr zeigt sich, dass das Modellprojekt ein Erfolg ist. Die Gemeinschaftsunterkunft in Lich aufzubauen, war genau die richtige Entscheidung. Die konstant hohe Nachfrage nach den 50 Plätzen und die gute Auslastung der Gemeinschaftsunterkunft belegen, dass das Konzept aus Wohnraum, individueller Beratung und gezielten Integrationsmaßnahmen an einem Standort genau den Bedarf trifft, den Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler beim Ankommen in Hessen haben. Insgesamt haben bereits seit März 2025 70 Menschen von der Gemeinschaftsunterkunft profitiert. Aktuell leben dort 43 Menschen.
Mit diesem bundesweit einmaligen Ansatz ist es gelungen, Eingliederung von Anfang an umzusetzen. Unterstützung bei Behördengängen, Sprachkursen und Gesundheitsfragen greift ineinander und schafft die Grundlage dafür, dass Menschen ihre neue Lebenssituation stabilisieren und Schritt für Schritt in die Kommunen weitervermittelt werden können. Damit wurde nicht nur ein wichtiger Punkt der Koalitionsvereinbarung umgesetzt, sondern auch eine zentrale Forderung der Spätaussiedlerverbände erfüllt.
Das erste Jahr hat gezeigt, dass sich der gemeinsame Weg von Land, Landkreis Gießen und den weiteren Kooperationspartnern gelohnt hat. Mein Dank gilt allen beteiligten Institutionen, die dieses wegweisende Projekt möglich gemacht haben.“
Individuelle Begleitung erleichtert die Integration
Frank Ide, Sozialdezernent des Landkreises Gießen, freut sich ebenfalls über den nachhaltigen Erfolg des Modellprojekts und erklärt: „Wir haben seit vielen Jahren Erfahrung in der Unterbringung von schutzsuchenden Menschen. Im Landkreis Gießen verfolgen wir dabei das Ziel, Menschen möglichst dezentral und gleichmäßig auf die Städte und Gemeinden zu verteilen und in kleineren Wohneinheiten unterzubringen. In unserer Gemeinschaftsunterkunft in Lich stand ausreichend Platz zur Verfügung, sodass wir der Nachfrage des Landes zur Unterbringung von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern gerne nachgekommen sind. Es ist schön zu sehen, wie gut sich das Modellprojekt in der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Gießen etabliert hat.“
Eine Integrationsberaterin steht den Spätaussiedlern zur Seite und unterstützt bei Behörden- und Arztterminen. Weiterhin hilft sie den Bewohnern beim Ausfüllen von Formularen, bei Anmeldungen zu Sprachkursen und begleitet die Menschen auch zu Terminen beim Jobcenter. Da die Integrationsberaterin selbst eine Spätaussiedlerin ist, kann sie die möglichen Sorgen der Bewohner gut nachvollziehen und zudem zweisprachig mit den Menschen kommunizieren, was ebenfalls sehr hilfreich sein kann.
Enges Netzwerk trägt zum Projekterfolg bei
Der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Andreas Hofmeister MdL, betont: „In meiner Funktion freut es mich sehr, dass wir nun seit über einem Jahr dieses besondere Modellprojekt der gemeinsamen Unterbringung von in Hessen ankommenden Spätaussiedlern durchführen. Schon bei meinem Besuch mit unserem zuständigen Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck kurz nach dem Start der Einrichtung war zu spüren, wie gut sich die Konzeption umsetzen lässt und welch große Erwartungen damit verbunden sind. Nunmehr können wir feststellen, dass insbesondere auch das enge Netzwerk der Beteiligten ein großer Erfolgsfaktor ist. Dies zeigen die positiven Rückmeldungen aus dem Personenkreis der Spätaussiedler. Damit ist ein Projekt mit Strahlkraft über die hessischen Landesgrenzen hinaus entstanden, welches wir gerne weiter vorantreiben werden.“
Beratung unterstützt auf dem Weg in eigenen Wohnraum
Ein weiterer wichtiger Anlaufpunkt für die Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, die derzeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Lich leben, ist die Beratungs- und Begegnungsstätte der LmDR Hessen in der Innenstadt von Gießen. Hier werden Vorträge, Seminare und Informationsveranstaltungen angeboten. Auch gibt es Kreativangebote für Kinder oder spezielle Veranstaltungen nur für Frauen. Die Beraterinnen der LmDR-Begegnungsstätte in Gießen ergänzen die Arbeit der Integrationsberaterin in der Unterkunft in Lich. Durch die Förderung des Landes Hessen konnten die Angebote rund um die Gemeinschaftsunterkunft in den letzten Monaten mehr und mehr ausgebaut werden. Neben der Unterstützung bei Terminen mit Behörden wurde auch ein separates Projekt zur Hilfe bei der Wohnungssuche entwickelt, welches von der Sprach- und Partnerschaftsinitiative e. V. durchgeführt wird und ebenfalls durch das Land Hessen mit knapp 20.000 Euro gefördert wird. Dieses Projekt ist besonders wichtig, um die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft auf ihrem Weg in ein eigenes Zuhause zu unterstützen. Im Rahmen des Projektes werden Wohnungsangebote gesucht, Besichtigungen durchgeführt und bei der Kommunikation mit Vermieter und Jobcenter unterstützt.
Konversationskurs stärkt die Sprachkompetenz
Ergänzend dazu wird durch die Sprach- und Partnerschaftsinitiative seit diesem Frühjahr ein Konversationskurs in der Gemeinschaftsunterkunft angeboten, der es den Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern ermöglicht, ihre Deutschkenntnisse auszubauen und Gespräche aus Alltagssituationen zu üben. Auch dieser Sprachkurs wird durch das Land Hessen gefördert.