Als er im Herbst 2015 sein Amt antrat, stand Hessen mitten in der Flüchtlingskrise. Später forderten ihn und die Behörde die Corona-Pandemie und die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine. Zugleich setzte er sich für die Entwicklung Mittelhessens ein. Ministerpräsident Boris Rhein, der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori sowie Innenminister Roman Poseck würdigten am Mittwoch in Gießen die Arbeit des 66-Jährigen und dankten ihm für seinen langjährigen Dienst für Hessen.
Ministerpräsident Boris Rhein sagte am Mittwoch in Gießen: „Dr. Christoph Ullrich hat das Regierungspräsidium Gießen elf Jahre lang durch Verlässlichkeit in der Krise, Klarheit in den Verfahren und Augenmaß bei der Entwicklung der Region geführt. Gerade in der Flüchtlingskrise hat er in seiner Funktion Verantwortung übernommen und gezeigt, dass Humanität und Ordnung keine Gegensätze sind. Dr. Christoph Ullrich war als Jurist Behördenleiter, Krisenmanager und Vermittler – und ein Regierungspräsident mit Haltung. Für sein herausragendes Engagement gebühren ihm und dem Regierungspräsidium Dank und Anerkennung.“
Jahrzehntelanger Einsatz
Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori stellte ebenfalls die Verdienste des scheidenden Regierungspräsidenten für Mittelhessen heraus: „Dr. Christoph Ullrich hat Mittelhessen über viele Jahre mit großem Engagement begleitet und sich für die Menschen und die wirtschaftliche Entwicklung der Region eingesetzt. Dabei war ihm der unmittelbare Austausch mit den Kommunen und den Unternehmen immer wichtig. Denn wer Verantwortung für eine Region trägt, muss auch wissen, was die Menschen vor Ort bewegt. Dr. Christoph Ullrich hat diese Nähe gesucht und sich mit großer Überzeugung für Mittelhessen starkgemacht. Für seinen langjährigen Einsatz und die gute Zusammenarbeit danke ich ihm herzlich. Für seinen neuen Lebensabschnitt wünsche ich ihm alles Gute.“
Innenminister Roman Poseck würdigte die Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidenten: „Dr. Christoph Ullrich hat das Regierungspräsidium Gießen über elf Jahre mit großer Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und einem klaren Blick für die Menschen in Mittelhessen geführt. Gerade in herausfordernden Zeiten, wie der Flüchtlingsbewegung seit 2015 und der Corona-Pandemie ab 2020, hat er bewiesen, wie wichtig Erfahrung, Verlässlichkeit und eine klare Haltung sind. Dabei war Dr. Ullrich nicht nur ein geschätzter Behördenleiter, sondern auch ein überzeugter Mittler zwischen Landesregierung, Kommunen und den Menschen vor Ort. Ich habe Dr. Ullrich als kompetenten, besonnenen und stets zugewandten Gesprächspartner kennengelernt, der auch bei schwierigen Entscheidungen das Machbare im Blick behalten hat. Für seinen jahrzehntelangen Einsatz im Dienst unseres Landes danke ich ihm sehr herzlich. Für seinen neuen Lebensabschnitt wünsche ich ihm persönlich alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und Zeit für die Dinge, die im Berufsalltag manchmal zu kurz gekommen sind.“
Von der Justiz an die Spitze des Regierungspräsidiums
Dr. Christoph Ullrich studierte Rechtswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und legte 1988 sein zweites Staatsexamen ab. Ab 1989 arbeitete er als Richter an hessischen Amtsgerichten. Von 1999 bis 2001 war er für das Justizministerium an der Hessischen Landesvertretung in Berlin tätig, danach als Pressesprecher des Ministeriums. Es folgten Leitungspositionen in der Justiz: Von 2002 bis 2006 stand er dem Amtsgericht Dillenburg vor, anschließend war er Vizepräsident und ab 2008 Präsident des Landgerichts Marburg. 2014 wechselte er als Präsident an das Landgericht Limburg. Am 3. Oktober 2015 übernahm er die Leitung des Regierungspräsidiums Gießen.
Flüchtlingsaufnahme, Corona und Regionalplan
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit rückte die Aufnahme und Unterbringung Geflüchteter in den Mittelpunkt. Innerhalb kurzer Zeit mussten Unterkünfte organisiert und viele Abläufe neu aufgestellt werden. Seit November 2016 ist das Regierungspräsidium Gießen hessenweit für die Organisation und Steuerung der Erstaufnahme zuständig. Auch während der Corona-Pandemie und nach Beginn des Krieges in der Ukraine 2022 musste die Behörde auf neue Anforderungen reagieren und zugleich ihre laufenden Aufgaben erfüllen.
Neben diesen Aufgaben ging es Ullrich um die Zukunft der Region. Der Austausch mit Kommunen und Unternehmen war ihm dabei wichtig, gerade wenn unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang gebracht werden mussten. Einen besonderen Abschluss bildete der Beschluss des Regionalplans Mittelhessen durch die Regionalversammlung am 22. September 2026. Das Planwerk legt unter anderem fest, wo künftig Wohn-, Industrie- und Gewerbegebiete entstehen können und welche Flächen geschützt werden sollen. Dem Beschluss gingen mehrjährige Beratungen und zwei Beteiligungsrunden voraus. Allein zur ersten Offenlage gingen rund 7.600 Anträge ein. Ullrich bezeichnete den Beschluss selbst als passenden Abschluss seiner Amtszeit.
Martin Rößler übernimmt zum 1. November
Zum 1. November 2026 übernimmt der bisherige Innenstaatssekretär Martin Rößler die Leitung des Regierungspräsidiums Gießen. Für den 57-jährigen Juristen ist es eine Rückkehr: Von 2017 bis 2024 war er dort Regierungsvizepräsident, von 2022 bis 2024 zudem Landeskoordinator für Flüchtlingsunterbringung. Seit Januar 2024 war er Staatssekretär im Hessischen Innenministerium. Seine Tätigkeit wird sodann Frau Isabelle Hemsley übernehmen.