Die Innenstadtoffensive startete im Februar 2024 als Teil des Sofortprogramms 11+1 der Hessischen Landesregierung. Ziel ist es, die Sicherheit in den hessischen Innenstädten durch konkrete polizeiliche Maßnahmen zu erhöhen und zugleich das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken. Gießen ist von Beginn an Teil des Programms. Innenminister Roman Poseck verschaffte sich heute einen persönlichen Eindruck von den ergriffenen Maßnahmen vor Ort. Der Minister tauschte sich zunächst mit den Beamtinnen und Beamtin vor Ort aus und besuchte im Anschluss die Innenstadt, begleitet von Bürgermeister Alexander Wright und dem Leiter des Ordnungsamts, Alexander Steiß.
Nach seinem Besuch in Gießen hat Innenminister Roman Poseck eine klare Zwischenbilanz der Innenstadtoffensive gezogen und die Entwicklung vor Ort eingeordnet: „Unsere Innenstädte sind das Herzstück jeder Stadt. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Bürger sicher fühlen und es auch tatsächlich sind. Vor zwei Jahren haben wir die Innenstadtoffensive genau mit diesem Ziel ins Leben gerufen.
Positive Entwicklung der Kriminalstatistik
Gießen ist eine sichere Stadt. Die rund 93.500 Einwohner können sich auf die Polizei verlassen. Im vergangenen Jahr sind die Straftaten gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik insgesamt um 587 Fälle, rund 6 Prozent, zurückgegangen. Die Häufigkeitszahl – die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner – hat sich um 965 Fälle, also um 8 Prozent, reduziert.
Im Bereich der Straßenkriminalität wird die erfolgreiche Polizeiarbeit besonders deutlich: Die Straßenkriminalität ist in Gießen zwischen 2024 und 2025 um 10,3 Prozent zurückgegangen. Rückgänge zeigen sich insbesondere beim Taschendiebstahl -27,5 Prozent, dem Straßenraub -12,5 Prozent und der gefährlichen Körperverletzung -18,3 Prozent. Die erhöhte Polizeipräsenz und der verstärkte Kontrolldruck zeigen Wirkung.
Erfolge der Waffenverbotszonen und Videoüberwachung
Ich begrüße es, dass seit November vergangenen Jahres in der Innenstadt zwei Waffen- und Messerverbotszonen eingerichtet wurden. Dadurch konnten bereits zahlreiche Waffen sichergestellt werden. Die Zahl der Messerangriffe im öffentlichen Raum ist in Gießen von 2024 auf 2025 um 20 Prozent auf 36 Fälle gesunken. Daneben verfügt Gießen seit 2020/2021 über drei Videoschutzanlagen. Zwei der Anlagen befinden sich unmittelbar im belebten Innenstadtbereich; konkret am Marktplatz sowie in der ebenso stark frequentierten Walltorstraße. Die dritte Videoschutzanlage befindet sich am Vorplatz des Gießener Bahnhofs und wurde ebenfalls im Jahr 2020 in Betrieb genommen. Seit ihrer Errichtung leisten die Videoschutzanlagen einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung des Sicherheitsgefühls der Bürger sowie zur Identifizierung von Tatverdächtigen in Strafverfahren.
So wurde am 11. Oktober 2025 ein Täter durch die Videoschutzanlage am Marktplatz dabei aufgezeichnet, wie er vor dem Wettbüro „Steinreich” in der Marktstraße eine Schusswaffe hervorzog und anschließend die Geschäftsräume betrat. Im Inneren gab der Täter mehrere Schüsse auf die anwesenden Gäste ab und flüchtete danach aus dem Gebäude. Die Videoaufzeichnungen trugen hier – neben der raschen Identifizierung des Täters – auch zu seiner zeitnahen Festnahme bei. Durch die Aufnahmen wurden insbesondere auch die Vor- und Nachtatphase dokumentiert, die für das eingeleitete Strafverfahren wegen versuchten Mordes von erheblicher Bedeutung sind.
Ausbau der Präventionsmaßnahmen
Darüber hinaus ermöglicht die Bildübertragung eine frühzeitige Erkennung potenzieller Gefahrensituationen, sodass durch präventives Einschreiten eine weitere Eskalation verhindert werden kann. Die Vorteile einer Videoschutzanlage wurden mir vor Ort besonders eindrucksvoll geschildert.
Die Stadt Gießen befindet sich derzeit in der Planung zur Errichtung einer weiteren Videoschutzanlage im Bereich Kirchen-/Lindenplatz. Die baulichen Maßnahmen wurden bereits abgeschlossen. Aktuell werden die erforderlichen Unterlagen zur Inbetriebnahme finalisiert und anschließend dem Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit zur abschließenden Prüfung vorgelegt. Da Videoschutzanlagen einen erheblichen Sicherheitsgewinn bringen und eine hohe präventive Wirkung haben, hoffe ich sehr, dass die neue Anlage schnellstmöglich in Betrieb genommen werden kann.
Darüber hinaus wurden im Rahmen der Innenstadtoffensive weitere Maßnahmen ergriffen, wie die tägliche zusätzliche Polizeipräsenz von 18:00 bis 22:00 Uhr, ergänzt durch gemeinsame Einsätze mit Ordnungsamt und Rauschgiftkommissariat sowie verstärkte Kontrollen des Jugendkommissariats. Gießen ist KOMPASS-Kommune und nutzt die vielfältigen Präventionsangebote der Polizei. Dazu gehört eine geplante Sicherheitskonferenz, die die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Kommune weiter stärken soll.
Zusammenarbeit von Polizei und Kommune
Diese positive Entwicklung in Gießen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenten gemeinsamen Handelns von Polizei, Kommune und Ordnungsbehörden. Mein Dank gilt allen Beamten, die täglich für die Sicherheit der Menschen sorgen. Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen und die Innenstadtoffensive fortsetzen.“
Polizeivizepräsident Dr. Hanno Frielinghaus vom Polizeipräsidium Mittelhessen resümiert: „Ich freue mich, dass der Hessische Innenminister Dr. Roman Poseck sich heute persönlich in Gießen über die Innenstadtoffensive informierte. Dies zeigt deutlich den Stellenwert, den dieses Projekt für ihn hat. Die bisherigen Ergebnisse der Innenstadtoffensive lassen sich sehen und zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und bereits spürbare Verbesserungen für die Sicherheit in der Gießener Innenstadt erreichen konnten. Mein besonderer Dank gilt den Beamtinnen und Beamten, die tagtäglich mit großem Engagement und hoher Professionalität ihren Dienst leisten. Ihr Einsatz ist ein zentraler Baustein für den Erfolg dieser Maßnahmen. Gleichzeitig ist klar: Die Innenstadtoffensive ist ein langfristig angelegtes Projekt, das auch in Zukunft entscheidend zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Gießen beitragen wird.“