Herr Poseck steht vor einer Leinwand, auf der eine Powerpoint Präsentation zu sehen ist, und spricht ins Mikrofon.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Stadionallianzen stärken Sicherheit im Fußball

Sichere Fußballspiele sind eine gemeinsame Aufgabe von Vereinen, Polizei, Fanprojekten, Kommunen und weiteren Beteiligten. Die Stadionallianzen setzen dabei auf Dialog, Vertrauen und eine enge Zusammenarbeit, um die Sicherheit an den Fußballstandorten weiter zu stärken.

Bei der vierten Verbundtagung der „Stadionallianzen Hessen“ kommen am 21. und 22. September 2026 im Stadion am Bieberer Berg in Offenbach am Main die zentralen Akteure für sichere Fußballspiele zusammen. Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen, Fanprojekten, Polizei, Bundespolizei und Kommunen beraten darüber, wie Dialog, Vertrauen und Zusammenarbeit an den hessischen Fußballstandorten weiter gestärkt werden können. Innenminister Roman Poseck richtet ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Ausgerichtet wird die Tagung vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz und der Bundesliga Gruppe GmbH mit Unterstützung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene soziale Arbeit (KoFaS gGmbH).

Sicherheit und Dialog stehen im Mittelpunkt

Innenminister Roman Poseck betont in seinem Grußwort: „Fußball lebt von Emotionen. Woche für Woche kommen in Hessen viele tausend Menschen in den Stadien zusammen, fiebern mit ihren Mannschaften und erleben Gemeinschaft. Diese Begeisterung macht den Fußball aus. Unser gemeinsames Ziel ist, dass die Menschen dieses Erlebnis friedlich und sicher genießen können.

Die Zahlen der vergangenen Saison zeigen, dass uns dies ganz überwiegend gelingt: Mehr als 1,58 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer haben die 138 Heimspiele der hessischen Vereine in den vier höchsten Spielklassen besucht. 94 dieser Spiele – rund 68 Prozent – verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Bei 40 Spielen gab es Störungen und bei vier Spielen gewalttätige Aktionen. Das ist eine gemischte Bilanz, die aber in Anbetracht der vielen Menschen in unseren Stadien und der zahlreichen Spiele für mich noch insgesamt positiv ausfällt.

Gleichzeitig dürfen wir aber die Augen vor Störungen, Straftaten und gewalttätigen Auseinandersetzungen nicht verschließen. Gewalt und Pyrotechnik haben in unseren Fußballstadien nichts zu suchen. Der Besuch von Fußballspielen muss ein sicheres Ereignis für die gesamte Familie sein. Die Gefahren von Pyrotechnik sind beispielsweise zum Ende der vergangenen Saison in Frankfurt besonders deutlich geworden, als Menschen beim Spiel der Eintracht gegen den VfB Stuttgart durch Pyrotechnik schwer verletzt wurden.

Sicherheit im Fußball ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Polizei, Vereine, Sicherheits- und Fanbeauftragte, Fanprojekte, Kommunen, Bundespolizei und Fans tragen jeweils Verantwortung. Entscheidend ist, dass die unterschiedlichen Akteure miteinander und nicht übereinander sprechen.

Genau das ist die Idee der Stadionallianzen. Konfrontation bringt uns nicht weiter. Stattdessen gilt es den fortwährenden Dialog zu pflegen. Genau diesen Weg beschreiten wir in Hessen.

Sicherheit im Fußball ist eine Gemeinschaftsaufgabe.

Roman Poseck Innenminister

Dafür schaffen die Stadionallianzen einen besonderen Raum. Abseits des unmittelbaren Spieltagsdrucks können die Beteiligten auf Augenhöhe miteinander sprechen, voneinander lernen, Zuständigkeiten klären und Konflikte aufarbeiten. Die Lösungen werden gemeinsam vor Ort entwickelt, denn die Beteiligten kennen ihre Stadien, Fanszenen und Herausforderungen am besten.

Hinter jedem friedlichen Fußballspiel stehen zudem viele Menschen, deren Arbeit häufig kaum wahrgenommen wird. Allein in der vergangenen Saison leistete die hessische Landespolizei mehr als 90.000 Einsatzstunden, die Bundespolizei mehr als 18.000. Hinzu kommen fast 30.000 eingesetzte Ordner der Vereine. Ihnen allen gilt mein ausdrücklicher Dank.

Ich erkenne auch ausdrücklich an, was die hessischen Vereine für die Sicherheit leisten. Vor diesem Hintergrund lehne ich auch eine Kostenbeteiligung an Hochrisikospielen weiterhin ab. Diese Auffassung teilt auch die überwiegende Mehrheit in der Innenministerkonferenz. Alleingänge von Ländern passen nicht zum Ziel des Dialogs. Sie können Wettbewerbsverzerrungen mit sich bringen, insbesondere bei Kostenbeteiligung in der 3. Liga und der Regionalliga, in denen auch Hochrisikospiele vorkommen. Es stellen sich grundsätzliche Gerechtigkeitsfragen bei der Kostenbeteiligung von Heimvereinen; zum Beispiel, wenn die Risiken vor allem von Gästefans ausgehen. Ich möchte mit den Vereinen auch nicht über polizeiliche Einschätzungen zu Risiken von einzelnen Spielen streiten, sondern das Thema der Sicherheit weiter gemeinsam voranbringen. In Hessen haben wir hierzu in den vergangenen Monaten viel erreicht. Ausschreitungen wie beim Spiel Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart im November 2023 haben sich zum Glück nicht wiederholt.

Die Stadionallianzen zeigen, was möglich ist, wenn alle Beteiligten an einem Tisch sitzen und einander zuhören. Ich wünsche mir, dass aus dieser Verbundtagung konkrete Impulse für die Arbeit vor Ort entstehen. Denn Sicherheit entsteht nicht nur durch Regeln und Einsatzkonzepte, sondern auch durch Vertrauen, klare Zuständigkeiten und Menschen, die gemeinsam handeln.“

Hintergrund: Stadionallianzen stärken Dialog und Sicherheit

Die Stadionallianzen sind ein Kommunikations- und Netzwerkformat, das bestehende Sicherheits- und Austauschformate ergänzt. Ziel ist es, das gegenseitige Verständnis zu fördern, Rollen zu klären und belastbare Kommunikationswege zu schaffen. Im Sinne eines Bottom-up-Ansatzes bestimmen die Beteiligten ihre Ziele und Schwerpunkte selbst; Bundesliga Gruppe GmbH, DFB, Hessisches Innenministerium und KoFaS geben den Rahmen und begleiten den Prozess. Jährliche Verbundtagungen und die kontinuierliche Netzwerkarbeit an den einzelnen Standorten bilden die beiden Säulen des Konzepts.

Nach Baden-Württemberg und Niedersachsen wurden die Stadionallianzen 2022 auch in Hessen eingeführt. Beteiligt sind Eintracht Frankfurt, SV Darmstadt 98, SV Wehen Wiesbaden, KSV Hessen Kassel, Kickers Offenbach und FSV Frankfurt. Nach den Tagungen 2023 und 2025 findet 2026 die vierte hessische Verbundtagung statt.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Verbundtagung steht das Thema „Triggerpunkte“ und die Frage, wie die Zusammenarbeit an den einzelnen Standorten weiter verbessert werden kann.

Die statistische Betrachtung der Saison 2025/2026 umfasst neben den sechs an den Stadionallianzen beteiligten Vereinen auch die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und den TSV Steinbach Haiger. Bei 40 Heimspielen der hessischen Vertreter in den vier höchsten Spielklassen wurden Störungen, bei vier Spielen gewalttätige Aktionen registriert. Insgesamt wurden 135 Straftaten und 594 Ordnungswidrigkeiten erfasst, insbesondere im Zusammenhang mit Pyrotechnik. 25 Menschen wurden verletzt, darunter sechs Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte.

Im Vorfeld der Spiele wurden gegen 162 Personen präventive polizeiliche Maßnahmen eingeleitet. Hinzu kamen gefahrenabwehrrechtliche Maßnahmen gegen 417 Personen im Umfeld der Veranstaltungen sowie strafprozessuale Maßnahmen gegen 148 Personen.

Mit den Stadionallianzen soll die Zusammenarbeit weiter gestärkt werden, damit die Beteiligten auch in schwierigen Situationen auf eingespielte und belastbare Strukturen zurückgreifen können.

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