Herr Poseck steht mit ungefähr 20 Personen auf den Eingangsstufen des Rathauses von Stadtallendorf.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Stadtallendorf wird erste KOMPASS Resilienz-Kommune

Unter Federführung des Innenministeriums veranstaltet die Hessische Landesregierung ab dem 7. September eine Resilienzwoche. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sensibilisierung für Krisenprävention und eine angemessene persönliche Vorsorge. Eine Woche lang informiert das Innenministerium zu Themen wie dem Packen eines Notfallbeutels oder dem Anlegen eines sinnvollen Vorrats.

Innenminister Roman Poseck besucht in diesem Rahmen unter anderem Schulen, Kommunen und Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur, um die Aufmerksamkeit für das Thema Resilienz zu erhöhen. Begleitet wird die Resilienzwoche von einer ressortübergreifenden Social-Media-Kampagne.

Im Rahmen der Themenwoche begrüßte Innenminister Roman Poseck die Stadt Stadtallendorf als erste Kommune im KOMPASS Resilienz-Programm. Um dies sichtbar zu machen, erhält Bürgermeister Christian Somogyi ein Resilienz-Schild. 

Stadtallendorf stärkt seine Krisenvorsorge

Innenminister Roman Poseck würdigte das vorausschauende Engagement der Stadt mit den Worten: „Es freut mich, dass ich heute im Rahmen der Resilienzwoche Stadtallendorf mit dem Resilienz-Schild unseres neuen KOMPASS Resilienz-Programms auszeichnen kann. Gerade in einer Krise kommt es darauf an, dass die Verantwortlichen vor Ort vorbereitet und handlungsfähig sind. Stadtallendorf hat diese Verantwortung erkannt und frühzeitig begonnen, seine Strukturen für Krisenlagen zu stärken.

Als bedeutender Garnisons- und Industriestandort hat Stadtallendorf eine besondere Bedeutung für die Region. Entsprechend wichtig ist es, zentrale Strukturen und Abläufe auch in Krisensituationen aufrechtzuerhalten. Ihr Schutz gewinnt angesichts von Cyberangriffen, Sabotage und anderen hybriden Bedrohungen weiter an Gewicht. Umso wichtiger ist es, Vorsorge zu treffen, Abhängigkeiten frühzeitig zu erkennen und die eigene Handlungsfähigkeit auch in schwierigen Lagen sicherzustellen.

Stadtallendorf hat bereits vor dem Beitritt zu KOMPASS Resilienz konkrete Vorsorge getroffen. Schon 2022 wurden gemeinsam mit dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke und dem Energieversorger EAM mögliche Folgen eines länger andauernden Stromausfalls für die Wasserversorgung betrachtet. Während der Gasmangellage 2023 befasste sich eine Arbeitsgruppe mit der Notstromversorgung. In der Folge wurden unter anderem sieben Notstromaggregate für Feuerwehrhäuser und Wärmeinseln sowie weitere Aggregate für die Wasserversorgung beschafft.

Stadtallendorf übernimmt Verantwortung und stellt sich beispielhaft für Krisen und neue Bedrohungen auf.

Roman Poseck Innenminister

Zudem hat die Stadt einen Verwaltungsstab aufgebaut und in die Aus- und Fortbildung der Verantwortlichen investiert. Eine gemeinsame Stabsübung mit Feuerwehr, Bundeswehr und Verwaltung ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen. Krisenvorsorge wird damit nicht nur geplant, sondern konkret trainiert.

Wie wichtig widerstandsfähige Strukturen sind, hat Stadtallendorf selbst erfahren. Beim Brand am 16. Oktober 2024 wurde die erst im Januar desselben Jahres eingeweihte Fahrzeughalle der Feuerwehr mitsamt dem Fuhrpark zerstört. Inzwischen verfügt die Feuerwehr wieder über eine moderne Fahrzeughalle und moderne Einsatzfahrzeuge. Das zeigt: Resilienz bedeutet auch, nach einem schweren Rückschlag schnell wieder handlungsfähig zu werden.

Mit KOMPASS Resilienz soll diese Vorsorge konsequent weiterentwickelt werden. An erster Stelle steht dabei die bereits erfolgte Benennung eines Resilienzbeauftragten in Stadtallendorf, der die weiteren Entwicklungen hier koordinieren wird. Außerdem sollen Risiko- und Schwachstellenanalyse stärker im Verwaltungshandeln verankert, ein Business Continuity Management aufgebaut und die relevanten Akteure in einem Resilienzrat enger miteinander vernetzt werden.

Dabei kommt es nicht allein auf die technische Ausstattung an. Resilienz braucht eine handlungsfähige Verwaltung, starke Einsatzkräfte und eine Bevölkerung, die weiß, wie sie sich in einer Krise selbst helfen kann. Stadtallendorf versteht Resilienz als Gemeinschaftsaufgabe und geht beispielhaft voran. “

Gemeinsam für mehr Widerstandsfähigkeit

Bürgermeister Christian Somogyi erklärte dazu: „In der Krise Köpfe kennen, ist der zentrale Leitsatz in der Vorsorge des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes. Zur Bewältigung kommunaler Pflichtaufgaben bei außergewöhnlichen Lagen ist es von besonderer Bedeutung, auch in Stadtallendorf bereits vor dem Ereignisfall, vernetzt zu sein und die beteiligten Akteure und deren Erreichbarkeiten zu kennen. Aktuelle sicherheitspolitische Herausforderung, gegenwärtige und erwartete Umweltkrisen mit deren Auswirkungen zeigen den Stellenwert des Katastrophen- und Zivilschutzes. Als Industrie- und Garnisonsstandort mit rund 22.000 Einwohnern obliegt auch der Stadt Stadtallendorf als untere Gefahrenabwehrbehörde eine besondere Aufgabe, um im Ereignisfall widerstandsfähig und krisenfest agieren zu können. Die Stadt Stadtallendorf freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz und stellt sich der Aufgabe, unsere Stadt für die Zukunft widerstandsfähiger zu machen.“

Dabei beweist Stadtallendorf nicht nur im Bereich der Resilienz ihr umfangreiches Engagement. Auch in Präventionsfragen und bei der Steigerung der öffentlichen Sicherheit im Alltag macht sich die Kommune seit 2019 verdient. Aus diesem Anlass verleiht Innenminister Roman Poseck der Stadt heute zusätzlich das KOMPASS-Sicherheitssiegel für die gute Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen im Landesprogramm der Polizei.

KOMPASS-Siegel würdigt Engagement für Sicherheit

Innenminister Roman Poseck betonte bei der Übergabe des Sicherheitssiegels die Wirksamkeit der KOMPASS-Kooperation mit der Polizei: „Wir sehen in Stadtallendorf, was es bedeutet, wenn Sicherheit aktiv hergestellt wird. Das schlägt sich auch in der überdurchschnittlich hohen Aufklärungsquote von gut 68 Prozent im Jahr 2025 nieder. Parallel konnte die Häufigkeitszahl, die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, in Stadtallendorf spürbar um mehr als zehn Prozent von 5.291 in 2024 auf 4.770 in 2025 gesenkt werden. Die Stadt liegt hier deutlich unter dem hessischen Durchschnitt der Häufigkeitszahl von gut 6.000 im Jahr 2025. Die Zahlen sprechen eindeutig für sich. In diesem Sinne spreche ich allen Beteiligten vor Ort meine Anerkennung für das Engagement für ein Mehr an Sicherheit aus.“

Als Maßnahmen verbesserte die Stadt unter anderem die Beleuchtungssituation im Heinrich-Lang-Park und schaffte mobile Geschwindigkeitsmessanlagen an. Außerdem wurde eine Präventionsrunde an der Georg-Büchner-Schule mit dem Ziel eingerichtet, Schutzkonzepte vor Risiken wie Gewalt, Sucht und gesellschaftlicher Ausgrenzung aufzubauen. Beteiligt sind hier Schulleitung, Stadtverwaltung und der örtliche Fachdienst für Sicherheit und Ordnung der Polizei.

Vize-Polizeipräsident Hanno Frielinghaus spricht diesem Engagement seine Anerkennung aus: „Besonders beeindruckend ist, wie aus den Rückmeldungen der Menschen konkrete Maßnahmen entstanden sind – von mehr Präsenz und Verkehrssicherheit über bessere Freizeit- und Aufenthaltsmöglichkeiten bis hin zu einem vorausschauenden Krisenmanagement. KOMPASS zeigt damit eindrucksvoll: Sicherheit entsteht vor allem dort, wo Menschen gemeinsam hinschauen, einander zuhören und Ideen umsetzen.“

Hybride Bedrohungslage erfordert erhöhte Wachsamkeit

Die Sicherheitslage ist angespannt. Vielfältige Herausforderungen von innen und außen können unsere Sicherheit gleichzeitig beeinträchtigen. Insbesondere seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ist auch die Kritische Infrastruktur in Deutschland und Hessen stärker in den Fokus gerückt. Sabotage, Spionage und Cyberangriffe stellen eine zunehmende Bedrohung dar.

Gleichzeitig müssen sich Staat und Gesellschaft auf unterschiedliche Krisenszenarien vorbereiten. Dazu gehören Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überflutungen, Hitzeperioden oder starker Schneefall ebenso wie langanhaltende Trockenheit und mögliche Einschränkungen der Wasserversorgung. Auch Epidemien, größere Brandereignisse und länger andauernde Stromausfälle können die Handlungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Die Stärkung von Resilienz und Krisenvorsorge ist daher wichtiger denn je.

Das KOMPASS Resilienz-Programm setzt genau hier an und stößt hessenweit auf großes Interesse. Mehr als 20 Kommunen in Hessen nehmen bereits am Programm der Landesregierung teil, das erst in diesem Frühjahr ins Leben gerufen wurde. Die große Resonanz unterstreicht die Bedeutung von Krisenprävention und kommunaler Widerstandsfähigkeit.

Niederschwellige Programm-Teilnahme

KOMPASS Resilienz richtet sich an hessische Städte, Gemeinden und Landkreise, die ihre kommunale Resilienz weiterentwickeln möchten. Das Programm baut auf bestehenden Aufgaben der Kommunen im Katastrophen- und Zivilschutz auf und bietet einen zusätzlichen Rahmen, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber unterschiedlichen Krisen zu erhöhen.

Voraussetzung zur Teilnahme ist die Benennung einer oder eines Resilienzbeauftragten, die oder der in der Verwaltung die Maßnahmen vor Ort koordiniert und als Ansprechperson fungiert. Die Vernetzung aller relevanten kommunalen Stellen durch einen Resilienzrat bzw. ein kommunales Gremium für Resilienzthemen wird empfohlen, um das Querschnittsthema Resilienz effektiv anzugehen. Synergien mit ggf. bereits bestehenden Gremien vor Ort, wie einem Präventionsrat oder der KOMPASS-Sicherheitskonferenz, können genutzt werden.

Resilienz-Siegel als Auszeichnung

Interessierte Kommunen können sich unter resilienz-siegel@innen.hessen.de um eine Programm-Teilnahme bewerben. Hat eine Kommune aus jedem KOMPASS Resilienz-Handlungsfeld mindestens eine Maßnahme auf den Weg gebracht oder umgesetzt, kann sie die Checkliste samt einer kurzen formlosen Beschreibung jeder Maßnahme und der ausführlicheren Darstellung einer besonders erfolgreichen Maßnahme in der Geschäftsstelle KOMPASS Resilienz einreichen. Werden die Maßnahmen als geeignet bewertet, die Resilienz vor Ort nachhaltig zu erhöhen, wird die Kommune für ihr Engagement für ein krisenfestes Gemeinwesen mit dem Resilienz-Siegel ausgezeichnet.

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