Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Veranstaltungen halten Erinnerungskultur wach

Die Geschichte der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler prägt das Land bis heute. Mit Projekten, Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen wird ihre Erinnerung aktiv wachgehalten.

Die Biografien und kulturellen Traditionen der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler sind mit dem Land Hessen eng verbunden. Ihre Leistungen für Hessen müssen sichtbar bleiben. Deshalb übernimmt der Beauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler eine integrierende Rolle für verschiedenen Personengruppen mit unterschiedlichen individuellen historischen Wurzeln. Das ist gerade in der heutigen Zeit von großer Bedeutung für den Zusammenhalt in unserem Land.

Innenminister Roman Poseck betonte die Relevanz der Erinnerungskultur und erklärte: „Hessen hat eine lange Tradition bei der Unterstützung sowie der wertschätzenden Begleitung von Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern. Gerade mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist es wichtig, dass die Anliegen der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler nicht in Vergessenheit geraten. Durch die Unterstützung von Gedenkveranstaltungen, Zeitzeugengesprächen und Projektarbeiten sorgen wir dafür, dass die Geschichte verantwortungsvoll und menschlich vermittelt wird.

Eine besondere Rolle nimmt der Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler ein. Er gibt den Erfahrungen und Erinnerungen Heimatvertriebener und Spätaussiedler eine Stimme. Er sorgt auch dafür, dass die persönliche Geschichte Einzelner nicht nur privat bleibt, sondern auch Teil der öffentlichen Erinnerungskultur wird. Damit leistet der Landesbeauftragte einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Verständigung und stärkt den Zusammenhalt in der Bevölkerung.

Die Erinnerungskultur über Heimatvertriebene und Spätaussiedler wachzuhalten, ist von zentraler Bedeutung für das historische Selbstverständnis und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Hessen, in Deutschland und in Europa. Sie erinnert daran, dass Flucht, Vertreibung und Migration keine abstrakten Begriffe sind, sondern konkrete menschliche Schicksale betreffen.“

Erinnerung bedeutet auch Verantwortung. Verantwortung, die Würde jedes Menschen zu achten und niemals zu vergessen.

Roman Poseck Innenminister

„Millionen Menschen haben im 20. Jahrhundert und bis heute ihre Heimat verloren. Sehr viele Familien, auch meine eigene, haben Vorfahren und Mitglieder, die aus ihrer früheren Heimat vertrieben wurden. Sie wurden entwurzelt, entrechtet und ihrer Würde beraubt. Hinter den nüchternen Begriffen Flucht, Vertreibung und Deportation stehen unzählige persönliche Schicksale: zerstörte Familien, verlorene Kindheiten, gebrochene Lebenswege. Diese Geschichten dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Erlebnisse und Ängste verfolgen die Betroffenen oft ein Leben lang.

Im vergangenen Jahr haben wir an 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert. Wir haben nicht mehr lange die Chance, uns gemeinsam mit noch lebenden Zeitzeugen der damaligen Ereignisse von Flucht, Vertreibung und Deportation zu erinnern. Es liegt daher an uns, ihre Stimmen zu sichern und ihre Geschichten zu bewahren.

Leider gibt es wieder Krieg in Europa: Der brutale Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine führt uns jeden Tag vor Augen, dass Frieden und Freiheit in Europa keine Selbstverständlichkeit sind. Viele Ukrainer wurden aus ihrer Heimat vertrieben, haben Angehörige verloren, unzählige suchen Schutz in anderen Ländern. Einige von ihnen haben in Hessen Zuflucht gefunden. Auch ihr Leid ist eine Mahnung an unsere eigene Geschichte, Menschlichkeit zu leben, Frieden zu verteidigen und Freiheit zu schützen.

Darum bedeutet Erinnerung auch Verantwortung. Verantwortung, die Würde jedes Menschen zu achten und niemals zu vergessen. Wir werden auch in diesem Jahr dafür Sorge tragen, dass die Erinnerung an das Geschehene wach bleibt. Wesentliche Beiträge dazu werden unser Landesbeauftragter Andreas Hofmeister und die verschiedenen, in Hessen besonders aktiven Verbände der Vertriebenen leisten.“

Hofmeister zieht positive Bilanz für 2025

Der Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Andreas Hofmeister, MdL, zieht eine positive Bilanz für das Jahr 2025. „Die Vielzahl der Veranstaltungen macht deutlich, wie lebendig die Erinnerungskultur in Hessen ist. Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Heimatvertriebenen und (Spät-)Aussiedler, die Würdigung ihrer Leistungen für Hessen und der Erhalt ihres kulturellen Erbes bleiben zentrale Anliegen. Die Aktivitäten dieses Jahres zeigen sowohl die Wertschätzung der Landesregierung als auch das hohe Engagement der vielen Ehrenamtlichen.“

Breites Veranstaltungsprogramm in ganz Hessen

Das Jahr 2025 war geprägt durch den 80. Jahrestag des Kriegsendes, der in zahlreichen Gedenk‑ und Bildungsprojekten aufgegriffen wurde. In diesem historischen Kontext standen Begegnungen, Austauschformate und Erinnerungsveranstaltungen, die neue Zugänge zur Geschichte und zur gesellschaftlichen Verantwortung eröffneten.

Ein Höhepunkt war die gemeinsame Lesereihe mit der Journalistin und Autorin Ira Peter zu ihrem Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen“. Die Lesungen in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, der IDRH gGmbH und weiteren Partnern fanden in mehreren hessischen Städten statt und förderten insbesondere den Dialog zwischen Zeitzeugen, Jugendlichen und der interessierten Öffentlichkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt war Sommer die Eröffnung einer neuen Gemeinschaftsunterkunft für Spätaussiedler in Lich. Das Modellprojekt, getragen vom Hessischen Innenministerium, dem Landkreis Gießen und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR), bietet Wohnraum, Beratung, Sprachförderung und Unterstützung im Alltag und leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration der Zugewanderten in Hessen.

Im Hessenpark in Neu‑Anspach wurde die Ausstellung „Vertriebene in Hessen. Ankunft und Integration nach 1945“ neu konzipiert und eröffnet. Diese Dauerausstellung informiert umfassend über die historischen Erfahrungen der Heimatvertriebenen und wurde von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern wahrgenommen.

Weitere Akzente setzte der Landesbeauftragte beim Hessentag in Bad Vilbel, wo er am Stand des Hessischen Innenministeriums präsent war und in moderierten Gesprächen sowie auf der Bühne im Hessenforum die Themenschwerpunkte der Vertriebenen‑ und Spätaussiedlerarbeit darstellte.

Ein besonderer Höhepunkt des Jahres war die Verleihung des Hessischen Preises „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ im Pariser Hoftheater in Wiesbaden. Innenminister Roman Poseck überreichte den Preis gemeinsam mit Andreas Hofmeister an herausragende Preisträgerinnen und Preisträger, die sich in herausragender Weise mit den Themen Flucht, Vertreibung und Eingliederung auseinandersetzen und damit einen Beitrag zur Bewahrung des historischen und kulturellen Erbes leisten.

In zahlreichen Festakten und Gedenkveranstaltungen, darunter der 12. Hessische Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation, wurden das Leid der Betroffenen gewürdigt und zugleich Impulse für ein gemeinsames Verständnis von Vergangenheit und Zukunft gesetzt.

Für das Jahr 2026 kündigte Hofmeister bereits weitere Vorhaben an: Vorgesehen sind Aktivitäten anlässlich des 80‑jährigen Bestehens des Landes Hessen sowie des 85‑jährigen Gedenkens an den sogenannten „Stalin‑Erlass“, Darüber hinaus sind eine neue Veranstaltungsreihe mit der erstplatzierten Preisträgerin des Landespreises sowie ein hessenweiter Malwettbewerb für junge Menschen zum Thema „Flucht, Vertreibung und Deportation“ geplant.

Zugleich kündigte Hofmeister die Fortführung und Weiterentwicklung der bestehenden Initiativen an. Ziel sei es, die Erinnerungskultur weiter zu stärken, zeitgemäße Vermittlungsformate auszubauen und engagierte Akteure im Land zu unterstützen. Die im laufenden Jahr umgesetzten Maßnahmen bildeten dafür eine tragfähige Grundlage

Abschließend dankte Hofmeister den Landsmannschaften, Verbänden und Organisationen für Ihr Engagement. Sein Dank galt zudem Innenminister Roman Poseck sowie Innenstaatssekretär Martin Rößler für die verlässliche Unterstützung, auch in finanziell herausfordernden Zeiten.

Über den Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler

Eine besondere Rolle nimmt der Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler ein. Er vertritt die Interessen der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler in Hessen und arbeitet eng mit Verbänden, Landsmannschaften und Institutionen zusammen, um die Eingliederung unterstützend zu begleiten und kulturelle Identität zu pflegen. Die Einrichtung dieses Amtes dient der Förderung von Erinnerungskultur, gesellschaftlichem Zusammenhalt sowie der Unterstützung integrativer Maßnahmen.