LBHS Hofmeister mit weiteren Personen bei der Gedenkstätte.

Hessisches Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz

Wichtige Zeichen für Erinnerung, Verständigung und Versöhnung

Andreas Hofmeister, Hessischer Landesbeauftragter für Heimatvertrieben und Spätaussiedler, hat am Sudetendeutschen Tag in Brünn mit dem Friedensmarsch der Bürgerinitiative Meeting Brno teilgenommen.

Für Hofmeister war es ein bewusstes und persönliches Zeichen für Erinnerung, Begegnung und Verständigung. Der diesjährige Sudetendeutsche Tag stand unter dem Leitwort „Alles Leben ist Begegnung“ – ein Satz, der in Brünn eine besondere historische und menschliche Bedeutung erhält.

Motto des Sudetendeutschen Tages: „Alles Leben ist Begegnung“

Erstmals fand der Sudetendeutsche Tag in der früheren Heimat vieler Sudetendeutscher statt. Damit war das Treffen weit mehr als eine traditionelle Zusammenkunft – es war Ausdruck eines über Jahrzehnte gewachsenen Weges der Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen und zugleich ein Signal für ein gemeinsames Europa, das auf Dialog, gegenseitigem Respekt und dem Willen zur Verständigung gründet.

Für den Landesbeauftragten Hofmeister stand insbesondere die Teilnahme am Friedensmarsch im Mittelpunkt. Der Marsch wurde vor rund zwanzig Jahren von jungen Tschechinnen und Tschechen initiiert und erinnert an die Ereignisse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und an das Leid der Menschen, die im Zuge von Vertreibung und Gewalt ihre Heimat oder gar ihr Leben verloren. Der Weg wird bewusst in umgekehrter Richtung des historischen Brünner Todesmarsches gegangen – nicht als Blick zurück im Sinne einer erneuten Trennung, sondern als Zeichen dafür, dass aus schmerzhaften Erfahrungen gemeinsame Verantwortung erwachsen kann.

Hofmeister erklärte hierzu: „Erinnerung darf niemals spalten. Erinnerung muss uns lehren, Verantwortung zu übernehmen – für Frieden, für Menschlichkeit und für den respektvollen Umgang miteinander. Wer Geschichte ernst nimmt, erkennt, dass Versöhnung nicht bedeutet zu vergessen, sondern den Mut zu haben, einander zuzuhören und gemeinsam Zukunft zu gestalten.“ Gerade angesichts der europäischen Geschichte und der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts sei es von besonderer Bedeutung, Orte und Begegnungen zu schaffen, die Verständigung ermöglichen. Begegnung sei nicht etwas Selbstverständliches; sie müsse immer wieder neu gesucht, gestaltet und gepflegt werden.

Das Motto des Sudetendeutschen Tages – „Alles Leben ist Begegnung“ – beschreibt daher mehr als eine programmatische Überschrift. Es formuliert eine Haltung: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Geschichte nicht als Gegensätze zu betrachten, sondern als Partner eines gemeinsamen Weges.

„Der Friedensmarsch über rund 30 Kilometer und rund 4000 Aktiven hat gezeigt, dass Erinnerung und Zukunft keine Gegensätze sind. Wer gemeinsam geht, erkennt oft, dass gegenseitiges Verständnis dort beginnt, wo Menschen sich tatsächlich begegnen“, so Hofmeister.

Der Hessischen Landesbeauftragte dankt allen Organisatoren, den zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie den vielen Menschen auf deutscher und tschechischer Seite, die sich seit Jahren für Verständigung, Erinnerungskultur und ein friedliches Miteinander einsetzen.

Die Geschichte Europas hat schmerzliche Kapitel hervorgebracht. Umso wichtiger ist es, daraus eine gemeinsame Verantwortung für Freiheit, Menschenwürde und Frieden abzuleiten. Gerade in einer Zeit neuer gesellschaftlicher Spannungen und Polarisierungen bleibt die Botschaft von Brünn aktuell: Begegnung schafft Verständnis – und Verständnis schafft Zukunft.

Heimattag der Siebenbürger Sachsen unter dem Motto: „Generationen verbinden - Perspektiven schaffen“

Auf seiner Rückreise aus Brünn machte Hofmeister zudem noch Station im mittelfränkischen Dinkelsbühl, um den 76. Heimattag des Verbandes der Siebenbürger Sachsen zu besuchen. Der Verband versteht es seit Jahrzehnten, Generationen zu verbinden und ist über alle Altersgruppen hinweg organisiert. Zudem sind die Siebenbürger Sachsen sehr aktiv bei der Pflege der Beziehungen nach Rumänien. Auch in Hessen zählen die Siebenbürger Sachsen zu den aktivsten Gruppen aus dem Bereich von Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern. Neben Besuchen von Ausstellungen sowie einer Kulturpreisverleihung war für den Landesbeauftragten Andreas Hofmeister die Teilnahme am Fackelzug zur Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen sowie der dortigen Feierstunde am Sonntagabend zentral. Der Fackelzug, angeführt von der Dinkelsbühler Knabenkapelle, ist seit vielen Jahren ein Höhepunkt des Heimattages. Gemeinsam wird Erinnerung gepflegt, dem Schicksal der Vorfahren und Angehörigen gedacht sowie der Blick auf eine gute, europäische Zukunft gerichtet. Der rumänische Unterstaatssekretär Thomas Sindilariu betonte in Anwesenheit der rumänischen Botschafterin in Deutschland, Adriana-Loreta Stanescu, das Bewusstsein Rumäniens für die Geschehnisse von Vertreibung und Deportation nach dem Zweiten Weltkrieg und der daraus erwachsenden Verantwortung. Seine Rede schloss er mit den treffenden Worten „Nur gemeinsam sind Abgründe vermeidbar“.